Wirtschaftsminister Pfister gibt Startschuss zum Löwinnen-Programm

(Stuttgart) Baden-Württembergs Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Ernst Pfister hat heute in Stuttgart den offiziellen Startschuss zum Löwinnen-Programm des Wirtschaftsmi-nisteriums gegeben. Das Programm umfasst vier Bildungs- und Qualifizierungsprojekte für Frauen und wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg mit einer Million Euro gefördert.

?Unter dem Motto ?Löwinnen sind Frauen in Baden-Württemberg ? Zum Sprung bereit? will das Wirtschaftsministerium zusammen mit seinen Projektträgern Frauen in unterschiedlichen Le-benslagen ermutigen und qualifizieren?, sagte Pfister im Rahmen einer Pressekonferenz. Trotz bester Voraussetzungen und hoher Kompetenz wählten Mädchen und Frauen oft schlechter bezahlte Jobs, so der Minister weiter. Sie würden meist zukunftsorientierte technische Berufe meiden und seien nur ganz selten oben in der Führungsebene zu finden. Zudem führe die Ent-scheidung für Familie und Kinder fast schon zwangsläufig zu einem Karriereknick. Das Löwin-nen-Programm mit seinen vier innovativen Projekten würde Mädchen und Frauen in Baden-Württemberg nun neue Chancen eröffnen.

Um mit dem Löwinnen-Programm möglichst viele Frauen in allen Abschnitten des Berufslebens zu erreichen, seien die Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen aus drei Bereichen gewählt:

– Mädchen vor der Berufswahl

– Frauen in Führungspositionen

– Wiedereinsteigerinnen in höherem Alter

Die Idee für den Namen des Programms entstamme dem baden-württembergischen Landes-wappen, erläuterte Pfister. Keine Spur von Löwenmähne sei bei den darauf abgebildeten Lö-wen zu erkennen. Folgerichtig seien es drei Löwinnen, die das Wappen zierten und für die Stärke des Landes stünden. „Baden-Württemberg baut auf die Kraft seiner Frauen. Mädchen und Frauen sind stark und leistungsfähig. In der Schule und im Studium liegen sie bereits weit vorn und sie sind bereit etwas für die Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten“, sagte der Minister und weiter: „Wir wollen unseren baden-württembergischen Löwinnen die Chance zum Sprung geben !“

Für den Ausbau eines modernen und familienfreundlichen Landes Baden-Württemberg sei die Schaffung von Chancengleichheit von Frauen und Männer in der Arbeitswelt und die Beseiti-gung der Schieflage in der beruflichen Geschlechterverteilung von enormer Bedeutung. Ganz besonders im Hinblick auf die demografische Entwicklung und den sich abzeichnenden Fach-kräftemangel sei Baden-Württemberg auf gut ausgebildete und motivierte Frauen angewiesen, so der Minister.

Das neu geschaffene Löwinnen – Programm soll mit vier Projekten Frauen und Mädchen aus drei verschiedenen Zielgruppen ansprechen.

1. Löwinnen orientieren sich – Mädchen vor der Berufswahl

„Vorentscheidungen für die Berufswahl fallen erwiesenermaßen bereits in sehr frühen Altersstu-fen“, so Pfister. „Mit dem Projekt TOP Mädchen (TechnikOrientierungsProjekt), das vom Bil-dungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft durchgeführt wird, sollen sich Mädchen in den Grundschulklassen drei und vier spielerisch mit ihren Berufswünschen auseinandersetzen. Indem die Mädchen typische „männliche“ Berufe kennen lernen, die von Frauen ausgeübt wer-den, zum Beispiel beim Besuch eines Handwerks- oder Industriebetriebs, aber auch beim Prak-tikum in einem Labor oder in der Entwicklungsabteilung eines Unternehmens, soll es gelingen, frühzeitig ihr Berufswahlspektrum zu erweitern“.
„Trotz gleicher schulischer Ausgangsbedingungen ist es immer noch nicht gelungen, die Spal-tung des Arbeitsmarktes in so genannte Männer- und Frauenberufe aufzulösen“, stellte Pfister fest. „Die von Frauen dominierten Berufe des Dualen Systems zeichnen sich vor allem durch eine erheblich schlechtere Einkommens-, Aufstiegs- und Arbeitsplatzstabilität aus. Mit einem Frauenanteil von jeweils mehr als 90% im Jahr 2002 können die Berufe Zahnmedizinische Fa-changestellte, Arzthelferin, Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk und Friseurin in Deutschland als nahezu reine Frauenberufe angesehen werden.“ (Quelle: Statistisches Bun-desamt 2004: 18).

Auch im akademischen Bereich sähe es nicht besser aus, stellte Pfister fest. Neuere Zahlen belegten, dass sich schon bei der Fächerwahl im 1. Semester deutliche Unterscheide zwischen den Geschlechtern ausmachen ließen. So stellt die Fächergruppe „Sprach- und Kulturwissen-schaften“ mit einem Frauenanteil von bundesweit 72% eindeutig eine Domäne der Frauen dar. Die Fächergruppe „Ingenieurswissenschaften“ mit einem Frauenanteil von 22% dagegen eine Domäne der Männer. (Quelle: Statistisches Bundesamt 2004: 21). Damit zöge das Gros der Mädchen und jungen Frauen nur ein eingeschränktes Spektrum – so genannte Frauenberufe – überhaupt in Betracht. Da in diesen Berufen teilweise ein Übergangsgebot von Arbeitskräften zur Verfügung stünde und diese Stellen eher weniger gut bezahlt würden, wäre es nach Pfisters Ansicht gerade für Frauen lohnenswert, sich zugunsten eines mathematischen, naturwissen-schaftlichen, ingenieurwissenschaftlichen und technischen Studiengangs zu entscheiden. „Hier wollen wir mit dem Projekt TOP Mädchen Anstöße liefern“ so Pfister.

2. Löwinnen auf dem Sprung nach oben – Frauen in Führungspositionen

Mit zwei Projekten – dem Planspiel „Perspektive Pole Position“ der Innovation und Bildung Ho-henheim GmbH und einem sich über ein halbes Jahr erstreckendes Lehrgang der Frauenaka-demie Baden-Württemberg, durchgeführt von der Führungsakademie Baden-Württemberg, will das Löwinnen–Programm Frauen, die kurz vor dem Abschluss ihres Studiums oder ihrer Pro-motion stehen, sowie Berufseinsteigerinnen mit akademischem Abschluss auf die zukünftige Einnahme einer Führungsposition vorbereiten und qualifizieren.

„Trotz hoher schulischer und beruflicher Qualifikation sind Frauen in Positionen, die mit hohem Einkommen und sozialem Prestige verbunden sind, nach wie vor selten anzutreffen“, sagte Pfister. Deutschland liege im europäischen Vergleich mit elf Prozent Frauen in Führungspositio-nen (davon zehn Prozent als leitende Angestellte und ein Prozent als Beamtin) unter dem euro-päischen Durchschnitt von 14 Prozent (Frankreich 20 Prozent, Großbritannien 16 Prozent). Auch der Vergleich mit USA und Kanada zeigt, dass Deutschland noch deutlich zulegen kann. In diesen Ländern sind 46 Prozent bzw. 42 Prozent Frauen in Führungspositionen“, so der Mi-nister.
Pfister betonte, dass es auch positive Entwicklungen zu verzeichnen gibt: So würden in kleinen und mittelständischen Unternehmen zunehmend mehr Frauen Führungsverantwortung über-nehmen – in Deutschland wird inzwischen immerhin knapp jede fünfte Firma mit weniger als 500 Beschäftigten von einer Frau geführt. (Quelle: dpa 9.März 2004) Allerdings haben es Frau-en in Großunternehmen auf dem Weg in die Führungspositionen nach wie vor schwer und weibliche Vorstände in Großunternehmen sind immer noch selten anzutreffen. Pfister: Da liegt ein unglaubliches Entwicklungspotential und das wollen wir heben !“ Auch im universitären Be-reich gibt es laut Pfister noch eine große Schieflage: Im Jahre 2002 waren nur 22% aller Perso-nen, die eine Habilitation erfolgreich abgeschlossen hatten, weiblich. Dabei war auch bei den Habilitanden in Fächergruppen, die eine Domäne der Frauen darstellen, die Frauen in der Min-derheit. (Quelle: Statistisches Bundesamt 2004: 23). Je nach Besoldungsgruppe gibt es bei den Professuren auch deutliche Unterschiede: je höher die Besoldungsstufe ist, desto niedriger ist der Anteil der Frauen. Im Jahre 2001 lag der Frauenanteil an den C2-Professuren bei 15,9 %, an den C3-Professuren bei 11,4 % und an den C4-Professuren bei lediglich 7,7%. (Quelle: Bund-Länder-Kommission 2003: 4f.). „Wir brauchen insgesamt mehr Frauen in Führungspositi-onen und Baden-Württemberg tut etwas dafür !“ sagte der Minister.

3. Löwinnen kehren zurück – Wiedereinsteigerinnen in höherem Alter

„Last but not least wendet sich das Löwinnen – Programm an Frauen mit qualifiziertem Berufs-abschluss im Alter ab 45 Jahren, die nach einer längeren Erwerbspause – sei es wegen der Bertreuung von Kindern oder der Pflege von Familienmitgliedern – in das Berufsleben zurück-kehren wollen“, erläuterte der Minister und weiter: „Diese Frauen verfügen nicht nur über ihre Berufsausbildung sondern sie verfügen auch über wertvolle Erfahrungen aus der Familienarbeit oder Pflege. Das wollen wir nutzbar machen.“
In dem umfangreichen Lehrgang „Comeback 45+“, der vom Institut für Gerontologie der Univer-sität Heidelberg in den Städten Heidelberg, Heilbronn und Böblingen durchgeführt wird, sollen Frauen für den Wiedereinstieg in den Beruf qualifiziert werden. Der Schwerpunkt des Lehr-gangs liegt dabei auf den alterstypischen Bedürfnissen und Defiziten dieser Zielgruppe. Das inhaltliche Hauptgewicht bilden die so genannten „Soft Skills“, wie zum Beispiel Gesprächs- und Verhandlungsführung, Lern-, Gedächtnis- und Problemlösungsstrategien. Laut Pfister zeigten die Überlegungen zum demographischen Wandel, dass sich die Einstellungen zum Alter und zu den altersspezifischen Fähigkeiten und Kenntnissen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Zukunft stark verändern würden. Insofern sei das Projekt, das auf die Wiedereingliederung älterer Arbeitnehmerinnen in den Arbeitsmarkt setze sehr innovativ und zukunftsweisend.