Wirtschaftsminister Pfister eröffnet NewCome 2004 in Stuttgart

Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister, Ernst Pfister, hat heute die bereits zum vierten Mal stattfindende NewCome 2004 eröffnet. Nach einem Rundgang über die zweitägige Messe auf dem Stuttgarter Killesberg bezeichnete Pfister die NewCome als wichtigen Bestandteil der Existenzgründungs-initiative Baden-Württembergs. Auf der 4.100 m² großen Fläche präsentieren sich Aussteller rund um das Thema Existenzgründung, mit wichtigen Ansprechpartnern können wertvolle Kontakte geknüpft werden. Trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten ist die Messe im Aufwind und konnte dieses Jahr 40 neue Aussteller für sich gewinnen. Der Wirtschaftsminister begrüßte diesen Trend und dankte den Ausstellern dafür, dass sie ihr Engagement auch in diesem Jahr nicht zurückgefahren haben. An der Ausstellung sind rund 300 Organisationen beteiligt
Pfister lud alle Anwesenden zur Podiumsdiskussion am Samstag mit Staatssekretär Dr. Horst Mehrländer ein. Hier könne über das Thema ?Konjunktur ? Ist in der derzeitigen Konjunkturlage eine Unternehmensgründung sinnvoll?? diskutiert werden.

?Existenzgründungen schaffen Arbeitplätze?, hob Pfister in seiner Eröffnungsrede hervor. Eine ?Wirtschaftspolitik für mehr Selbständigkeit? sehe er daher als seine Daueraufgabe an. Gerade Baden-Württemberg habe ein vorbildliches Instrumentarium zur Förderung von Existenzgründungen. Er verwies auf die Initiative für Existenzgründungen und Unternehmensnachfolge ifex des Wirtschaftsministeriums. Diese arbeite mit rund 1.400 Partnerorganisationen zusammen.

Bereits bei der Gründung eines Unternehmens werden die entscheidenden Weichen für die Sicherung und Expansion gestellt, und genau da komme das Land zu Hilfe: bei der Finanzierung von Neugründungen und Betriebsübernahmen mit zinsverbilligten Darlehen, mit Bürgschaften und mit Beteiligungen. Pfister stellte heraus, dass im Jahr 2003 mit Hilfe des Landes insgesamt rund 3.900 Existenzgründungen und Betriebsübernahmen mit einem Darlehensvolumen von über eine halben Milliarde Euro unterstützt worden seien.

Als weiteren Schwerpunkt der Gründungsförderung bezeichnete der Wirtschaftsminister die Förderung spezieller Zielgruppen, wie Existenzgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Das Modellprojekt „Gründerverbunde auf dem Campus“ sei ein wichtiger Ansatzpunkt. Das Land erleichtere damit jungen High-Tech-Unternehmen den Start, indem Gründern ermöglicht wird, für zwei bis drei Jahre auf dem Campus zu bleiben und die Ressourcen der Hochschulen oder Forschungseinrichtungen zu nutzen. Ihnen wird dabei gleichzeitig durch ein Netzwerk von Unternehmern und Beratern geholfen.
Pfister: „Die acht Gründerverbunde haben inzwischen rund 800 Gründungen mit über 1.300 Gründerinnen und Gründern unterstützt, wodurch rund 1.900 neue Arbeitsplätze entstanden sind. Das Wirtschaftsministerium stellt auch zukünftig jährlich rund 1 Mio. Euro aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds zur Förderung von Inkubatoren und Gründerverbunden zur Verfügung.“

Nicht nur Studenten werden gefördert. Pfister will schon in den Schulen ein Klima schaffen, in dem unternehmerisches Denken und Handeln gefördert wird. Er verwies auf den landesweiten Planspielwettbewerb „PriManager – Primaner managen eine AG“ für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12. Im laufenden Schuljahr nehmen landesweit rund 1.600 Schüler in 325 Teams aus 200 Gymnasien an dem Wettbewerb teil, erhalten dadurch einen praxisorientierten Einblick in die Welt der Wirtschaft und erwerben ökonomische Grundkenntnisse. Damit Schüler Unternehmungsgründungen nicht nur virtuell nachspielen, sondern auch selbst durchführen können, unterstütze das Wirtschaftsministerium auch die Gründung von Schülerfirmen. Dieses Jahr präsentieren sich 23 Schülerfirmen auf der NewCome.

Pfister: „Ein weiterer zielgruppenspezifischer Schwerpunkt liegt in der Unterstützung von Existenzgründerinnen. Frauen werden beim Start in die Selbständigkeit oft mit anderen Rahmenbedingungen konfrontiert als Männer. Häufig unterscheiden sie sich auch im Gründungsverhalten von ihren männlichen Kollegen. Vorbilder in Form von erfolgreichen und öffentlich sichtbaren Unternehmerinnen existieren in geringerem Maße. Allein die Tatsache, dass die Familienarbeit immer noch oft bei den Frauen liegt, macht Unterschiede. Frauen wählen daher eher den Weg einer Nebenerwerbs- oder Teilzeitgründung, häufig in Branchen mit starker Konkurrenz und geringen Wachstumspotenzialen. Gründerinnen haben damit nicht selten ungünstigere Vorraussetzungen als Gründer. Wir können es uns aber nicht leisten, auf die unternehmerischen Potenziale der Frauen zu verzichten. Wir müssen den unterschiedlichen Bedürfnissen von Frauen und Männern Rechnung tragen.“

Das Wirtschaftsministerium hat daher spezifische Angebote für Gründerinnen entwickelt, wozu Existenzgründerinnentage, Sprechtage, Gründerinnenseminare und Coachings gehören.

Das Land Baden-Württemberg habe auch bundesweite Anerkennung für seine Arbeit bekommen: ifex und die „IBH Innovation und Bildung Hohenheim“ hätten gemeinsam von drei Bundesministerien den Auftrag zum Aufbau der „Bundesweiten Gründerinnenagentur“ erhalten. Diese Agentur solle zu einer zentralen Plattform für Existenzgründerinnen in Deutschland werden.
Auf dem Internetportal www.gruenderinnenagentur.de und bei einer zentralen Hotline (Tel. 01805-229022) erhalten Gründerinnen Informationen und Orientierungsberatung.

Pfister: „Neben der Förderung von Neugründungen ist der Generationswechsel in den Betrieben eine große Herausforderung. In Baden-Württemberg sollen von 2002 bis 2007 zwischen 11 und 15% der bestehenden Unternehmen an einen Nachfolger übergeben werden, wie eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim im Auftrag der L-Bank ermittelt hat. Das sind 45.000 – 60.000 Unternehmen mit rund 600.000 Arbeitsplätzen. Der Nachfolger muss immer häufiger extern, also außerhalb der Familie gefunden werden. Während zwischen 1997 und 2002 noch rund drei Viertel der Nachfolger aus der Familie kamen, werden dies bis 2007 nur noch etwa die Hälfte sein. Die Übernahme eines bestehenden Betriebs ist jedoch eine große Chance für Menschen, die sich selbständig machen wollen. Das Risiko ist in aller Regel niedriger als bei einer Neugründung, da Produkte, Kunden, Mitarbeiter und Ausstattung bereits vorhanden sind.“

Mit einem 12-Punkte-Programm leiste das Land in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsorganisationen und Fördereinrichtungen Hilfestellung bei der Unternehmensnachfolge. Das Wirtschaftsministerium stelle jährlich rund 2 Mio € zur Verfügung für ein Programm, das Informations-, Qualifizierungs-, und Beratungsangebote sowie verbesserte Bedingungen bei der Bürgerschaftsübernahme und bei Beteiligungen umfasst.

Abschließend betonte Pfister, dass eine Existenzgründung nicht nur Risiken in sich berge, sondern auch Chancen. Er verwies darauf, dass diese Risiken durch eine gute Vorbereitung reduziert werden könnten. Hilfestellung leisteten die zahlreichen Expertinnen und Experten auf der Messe und auf die umfangreiche Internetseite www.newcome.de. Sie habe sich innerhalb der letzten drei Jahre ständig weiterentwickelt und präsentiere sich anlässlich der Messe mit neuen Funktionen. NewCome.de sei eines der meist besuchten Gründungsportale bundesweit und habe seine Zugriffszahlen in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt.