Wirtschaftsminister Pfister appelliert an Akteure vor Ort, Last-Minute-Lehrstellenbörsen zu organisieren

(Stuttgart) Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister appellierte heute in Stuttgart an Landkreise und Kommunen, in einer gemeinsamen Kraftanstrengung kurzfristig Lehrstellenbörsen zu organisieren. Damit sollen auch die zum Ende des Berufsberatungsjahres am 30. September unversorgten Jugendlichen noch eine Chance erhalten.

Pfister: ?Unser Ziel muss es sein, möglichst viele Jugendliche, die eine Ausbildung absolvieren wollen und können, in Ausbildung zu bringen. Hierzu müssen besonders vor Ort alle Anstrengungen unternommen werden, Ausbildungsbetriebe und Lehrstellensuchende zusammen zu bringen. Kompetenz und Betriebskenntnis sind vor allem lokal bei den Ausbildungs-beratern der Kammern, den Lehrstellenwerbern, den Arbeitsagenturen und den Schulen vorhanden?, begründete der Minister seinen Vorstoß. ?Denn nichts ist schlimmer, als wenn junge Menschen nach der Schule auf den Weg in die dauerhafte Arbeitslosigkeit und damit in den sozialen Abstieg geraten.?

Zwar waren bei den Arbeitsagenturen Ende August noch rund 20.000 Lehrstellen suchende Jugendliche gemeldet. Die von den Kammern gemeldeten Zahlen der zum Ende August neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse seien aber erfreulich. So stieg im Bereich der Industrie- und Handelskammern, bei denen über die Hälfte aller Verträge abgeschlossen werden, die Zahl der Neueintragungen um knapp 5 Prozent. Auch im Handwerk, das knapp 30% aller Ausbildungsverträge registriert, ist die Zahl der Neuverträge um 2,2 Prozent gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahrs gestiegen.

Dennoch gäbe es noch Jugendliche, die eine Lehrstelle suchten. Daher sei ein Endspurt erforderlich, um allen ausbildungswilligen und -fähigen Jugendlichen ein Angebot auf Ausbildung zu unterbreiten. Dieses Ziel ist in dem vom Land mit der Wirtschaft abgeschlossenen „Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung in Baden-Württemberg“ vereinbart worden.

Laut Bündnis wollen Kammern und Agenturen für Arbeit mit allen noch unversorgten Jugendlichen einen Kompetenzcheck durchführen. Auf dieser Grundlage soll ihnen eine adäquate Qualifizierungsperspektive aufgezeigt werden. Diese soll zumindest in einer betrieblichen Einstiegsqualifikation bestehen. Die Wirtschaft hat sich im Bündnis verpflichtet, 3.800 neue Ausbildungsplätze anzuwerben und zusätzlich 3.200 Praktikumsplätze für solche Einstiegsqualifikationen bereitzustellen.

Erste regionale Zwischenergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Ziel erreicht werden wird.

Eine Bilanz kann aber erst nach dem Stichtag 30. 9. 2004 erfolgen. „Ich werde alle Beteiligten am 27. Oktober 2004 zum Lehrstellengipfel einladen. Dann wird Bilanz gezogen und bei Bedarf werden weitere Maßnahmen beschlossen“, so Minister Pfister.

Der Minister appellierte auch an die Jugendlichen, die sich noch auf der Suche nach einer Lehrstelle befinden, flexibel und mobil auf das noch vorhandene Lehrstellenangebot zu reagieren. Eine Berufsausbildung, auch wenn sie nicht am Wohnort oder im Wunschberuf erfolgen kann, sei immer noch sinnvoller als eventuelle schulische Warteschleifen zu absolvieren oder gar arbeitslos zu werden. Immerhin seien Ende August noch 6.740 Ausbildungsplätze als unbesetzt gemeldet.

Die Betriebe sollten an ihren Fachkräftebedarf in den kommenden Jahren denken und sich im Zweifelsfall für die Ausbildung junger Menschen entscheiden.

„Insgesamt bin ich trotz der angespannten Lage optimistisch“, so der Minister, „dass wir auch dieses Jahr dem Ziel nahe kommen werden, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Qualifizierungsangebot machen zu können. Dafür müsse das Engagement unvermindert fortgesetzt werden. “