Wirtschaftsminister Ernst Pfister zieht positive Zwischenbilanz: „Vielfältige Marktchancen“

Saudi-Arabien ruft Baden-Württembergs Wirtschaft zu stärkerem Engagement vor Ort auf. In einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Ernst Pfister sprach sich der saudische Vize-Minister für Wirtschaft und Planung, Herrn Ahmed Bin Ibrahim Al Hakimi, am gestrigen Montag in Saudi-Arabien für strategische Partnerschaften insbesondere in Bereichen wie der Gesundheits- und Medizintechnik und im Umweltbereich aus. Außerdem erwarte er Unterstützung bei dem Aufbau eines Systems der beruflichen Bildung in Zusammenarbeit mit baden-württembergischen Unternehmen. Hierzu bot der mitreisende Hauptgeschäftsführer Hartmut Richter vom BWHT die Unterstützung des Handwerks an. Wirtschaftsminister Ernst Pfister lud Herrn Minister Al Hakimi zu einem Besuch nach Baden-Württemberg ein und begrüßte sehr das Angebot zu einer Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen: „Saudi-Arabien bietet Unternehmen aus Baden-Württemberg ausgezeichnete und vielfältige Markchancen.“

Pfister hält sich seit 23. April für insgesamt sechs Tage mit einer 40-köpfigen Wirtschaftsdelegation aus Baden-Württemberg in Saudi-Arabien auf. „Ziel ist es, mittelständische baden-württembergische Unternehmen – insbesondere der Baubranche sowie der Gesundheitswirtschaft – dabei zu unterstützen, die Chancen zu nutzen, die der Modernisierungswille des arabischen Königreichs deutschen Unternehmen eröffnet“, betonte der Minister. Im Rahmen des Besuchs führte Pfister verschiedene Gespräche mit hochrangigen Vertretern der saudi-arabischen Regierung. Nachdem bereits in Riad ein Baden-Württemberg-Forum durchgeführt wurde, fand am heutigen Dienstag in Dschidda das zweite Baden-Württemberg-Forum im Rahmen der Reise statt.

Gegenwärtig stehen in Saudi-Arabien massive staatliche und private Investitionen an, vor allem Projekte zur Erneuerung der Infrastruktur und zum Bau von Industriezonen in einem Umfang von mehreren hundert Milliarden US-Dollar. Besonderes Potenzial bietet sich hierbei für die baden-württembergischen Unternehmen aus den Bereichen der technischen Dienstleistungen in allen Sektoren von der Bauplanung bis zur überwachung (Projektmanagement) sowie aus der Gesundheitswirtschaft.

Dazu Pfister: „Unzählige dringend benötigte Projekte in allen Größenordnungen werden voraussichtlich auf viele Jahre die Nachfrage nach internationalen Partnern, Produkten und Dienstleistungen sichern. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können über Kooperationen mit lokalen Partnern in den größten Wachstumsmarkt der Region einsteigen. Ein Engagement deutscher Unternehmen ist sowohl von offizieller saudischer als auch von saudischer Unternehmerseite ausdrücklich erwünscht. Hinzu kommt, dass deutsche Produkte nach wie vor einen hervorragenden Ruf in der gesamten arabischen Welt genießen.“

Für die mitreisenden Unternehmensvertreter finden erstmals Baden-Württemberg-Foren in Riad und Dschidda zu den Sektoren technische Dienstleistungen und Gesundheitswirtschaft statt, die Baden-Württemberg International und Handwerk International in Zusammenarbeit mit GESALO (German Saudi Liaison Office = AHK) veranstalten. Mit den Baden-Württemberg-Foren soll das Wissenschafts- und Technologiepotential des Landes in den ausgewählten Bereichen präsentiert werden. Die Produkte und Dienstleistungen, die im Fokus der Forumsveranstaltung stehen, werden in Fachvorträgen und Workshops vorgestellt. Die an der Maßnahme teilnehmenden Unternehmen sollen exemplarisch für diese Stärken stehen.

Um den mitgereisten Unternehmen Kontakte und Kooperationen mit Geschäftspartnern in Saudi-Arabien zu ermöglichen, ist die Veranstaltung einer Kontaktbörse ein weiterer elementarer Bestandteil der beiden Foren. Darüber hinaus ist es auch ein Ziel der Foren, Kontakte und Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen/ Forschungseinrichtungen sowie unter Hochschulen und Forschungseinrichtungen herzustellen.

Wirtschaftsbeziehungen Saudi-Arabien – Baden Württemberg/Deutschland
Die Beziehungen zwischen dem Land Baden-Württemberg und Saudi-Arabien sind traditionell eng und freundschaftlich. Seit über 20 Jahren fördert das Land Messebeteiligungen und veranstaltet Kontakt- und Kooperationsbörsen in verschiedenen Städten des Königreiches. Im März 2008 fand bereits eine Delegationsreise für baden-württembergische Ingenieurdienstleister (Schwerpunkt Bauwesen) nach Saudi-Arabien (statt. Im November 2008 reiste Wirtschaftsminister Ernst Pfister mit einer Delegation aus den Branchen Gesundheitswirtschaft, Umwelttechnologie und berufliche Bildung in das Königreich.

Das Land Baden-Württemberg hat im Jahr 2009 Waren im Wert von 987 Millionen Euro (Vorjahr: 894 Millionen Euro) nach Saudi-Arabien ausgeführt und damit sein Exportvolumen auch im schwierigen Wirtschaftsjahr 2009 um 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Hauptausfuhrgüter waren Kraftwagen- und Kraftwagenteile, Maschinen, chemische Erzeugnisse, medizin-, mess-, steuerungs-, regelungstechnische und optische Erzeugnisse sowie Uhren. Laut Erhebungen der IHKen in Baden-Württemberg haben über 900 baden-württembergische Unternehmen Geschäftsbeziehungen zum Königreich Saudi-Arabien. Darunter unterhalten 37 Unternehmen eigene Niederlassungen, 27 Unternehmen Produktionsstätten und 196 Unternehmen Vertretungen vor Ort.

Deutschland ist für Saudi-Arabien mit einem Lieferanteil von 7,4 % (2008) das viertwichtigste Lieferland nach den USA (13,7 %),VR China (11 %) und Japan (8,2 %). Für Deutschland ist Saudi-Arabien der zweitwichtigste Handelspartner nach den VAE in der Region. Deutschland lieferte im Jahr 2008 Waren im Wert von 5,16 Mrd. Euro nach Saudi-Arabien. Wichtigste Güter waren Maschinen, LkW, Spezialfahrzeuge, PKW, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, Rohre aus Eisen oder Stahl, pharmazeutische Erzeugnisse, Fabrikanlagen, nachrichtentechnische Geräte- und Einrichtungen.