Wirtschaftsminister Ernst Pfister stellt die Eckpunkte des Energiekonzepts 2020 zur Diskussion

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat heute in Stuttgart die Eckpunkte des Energiekonzepts 2020 der Landesregierung zur Diskussion ge-stellt. ?Wir stecken uns im Energiekonzept ehrgeizige Ziele. Bei ehrgeizigen Zielsetzungen wollen wir es jedoch nicht belassen. Allein ein Wettlauf um Ziele führt nicht weiter. Wir benennen deshalb auch die Handlungsfelder und die erforderlichen Maßnahmen, um diese Ziele erreichen zu können?, sagte Pfister anlässlich des heutigen energiepolitischen Spitzengesprächs im Wirtschaftsmi-nisterium.

„Wir wollen bis zum Jahr 2020 die Energieproduktivität in Baden-Württemberg im Mittel um 2 Prozent pro Jahr steigern und den Primärenergieverbrauch um min-destens 10 Prozent senken“, erläuterte der Minister den anwesenden Vertretern von Energieversorgern und Verbänden aus dem Land. Außerdem soll der Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung bis 2020 auf 20 Prozent verdoppelt werden.

Auch zu den Ausbauzielen bei den erneuerbaren Energieträgern nannte Pfister konkrete Zahlen. Demnach solle der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromerzeugung im Jahr 2020 mindestens 20 Prozent betragen, der Anteil an der Wärmebereitstellung solle sich auf mindestens 16 Prozent erhöhen. Pfister: „Wir sehen im Ausbau der erneuerbaren Energieträger ein zentrales Instrument zum Schutz des Klimas. Gleichzeitig erhöht sich die Versorgungssicherheit, weil wir die Energieversorgung mit den erneuerbaren Energieträgern auf eine breitere Grundlage stellen.“

Die größten Wachstumspotentiale sieht Pfister bei der Bioenergie und bei der Photovoltaik. Der Minister stellte aber auch klar, dass die Windenergie ausgebaut werden muss. „Wenn wir hier über einen Faktor 3 bis 4 reden, ist uns be-wusst, dass dies im Land kontrovers diskutiert werden wird, wir brauchen die Windenergie jedoch, um auf die geplanten 20 Prozent zu kommen“, so Pfister.

Der Minister betonte gleichzeitig, dass die erneuerbaren Energieträger alleine in absehbarer Zeit nicht in der Lage seien, eine sichere, wirtschaftliche und um-weltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten. Vielmehr sei in Baden-Württemberg weiterhin ein diversifizierter Energiemix erforderlich, der auch die Kernenergie beinhalte. Pfister: „Unsere einfache Formel für die Stromerzeugung im Jahr 2020 lautet 50 Prozent Kernkraft, 30 Prozent fossile Energie und 20 Pro-zent erneuerbare Energieträger.“

Der Wirtschaftsminister bekannte sich damit erneut zur weiteren Nutzung der Kernenergie: „Die derzeit bestimmten Restlaufzeiten für die Kernkraftwerke in Baden-Württemberg sind mit den Zielen einer sicheren, wirtschaftlichen und kli-maverträglichen Energieversorgung unter keinen Umständen in Einklang zu bringen. Ohne eine Aufhebung der Laufzeitverkürzung vernichten wir Produkti-onskapital und konterkarieren zugleich in eklatanter Weise unsere Bemühungen zur Vermeidung von Treibhausgasen “, so Pfister. Er sprach sich dafür aus, die längeren Laufzeiten für eine Intensivierung der Erforschung erneuerbarer Ener-gien und der effizienten Energieumwandlung zu nutzen. Hier sei auch ein deutli-ches finanzielles Engagement der Betreiber von Kernkraftwerken gefordert.

Vehement setzte sich der Wirtschaftsminister für den Erhalt des Kraftwerksstandorts Baden-Württemberg ein. Auch zukünftig solle der Strombedarf des Landes so weit wie möglich durch Erzeugungskapazitäten im Land abgedeckt werden. „Wir wollen nicht von Stromimporten abhängig sein, wir wollen ein be-lastbares Netzmanagement und wir wollen auch vermeiden, dass Wertschöpfung und Arbeitsplätze verlagert werden“, appellierte Pfister an die Repräsentanten der Wirtschaft.

Gleichzeitig stellte der Minister klar, wie wichtig ihm marktwirtschaftliche Impulse auf der Nachfragerseite sind. „Der Energiemarkt benötigt mündige Verbraucher, die mehr als bisher über die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge im Energie-bereich informiert sind. Beispielsweise sollten die Energiekunden die Möglichkeiten zum Wechsel von Anbietern kennen und diese auch nutzen“, resümierte Pfister.

Der Wirtschaftsminister ging bei den Eckpunkten zum Energiekonzept auch auf die wichtige Rolle der Forschung ein. Er hob die starke Position der baden-württembergischen Forschungslandschaft hervor und machte sich für eine För-derung auf einem deutlich höheren Niveau stark. „Forschung, Industrie und kleine und mittlere Unternehmen müssen stärker vernetzt werden. Wir denken daher im Rahmen unserer Clusterpolitik über einen Weg hin zu einem Energiecluster nach“, hob Pfister abschließend hervor.