Überdurchschnittlich viele ?große? Mittelständler sind ein Indiz für die Wirtschaftsstärke eines Bundeslandes

Für Bundesländer mit wachstumsstarker Branchenstruktur ist ein relativ hoher Anteil an ?größeren? Mittelständlern typisch. So liegt Baden-Württemberg wie auch andere wirtschaftsstarke Bundesländer beim Anteil des ?gehobenen? Mittelstands in der Größenklasse von 250 bis 500 Beschäftigten bzw. bei der Umsatzgrößenklasse von 10 bis 50 Millionen Euro mit 0,3 bzw. 0,5 Prozentpunkten über dem Bundesdurchschnitt. Dies ist umso bemerkenswerter, als Baden-Württemberg ? wenn man den Anteil der Beschäftigten im gesamten Mittelstand betrachtet ? rund fünf unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Dies zeigt eine neue Studie des IAW Tübingen und des ifm Mannheim, die heute in Stuttgart vom Wirtschaftsministerium und vom Statistischen Landesamt vorgestellt wurde (die Studie ist abrufbar auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums unter www.wm.baden-wuerttemberg.de.)

Für Wirtschaftsminister Ernst Pfister zeigt die Studie die Bedeutung der Mittelstandsförderung: „In der Größenordnung des gehobenen Mittelstands bewegen sich erfahrungsgemäß bereits viele auf den gesamten Weltmarkt ausgerichtete export- und innovationsstarke Unternehmen. Ein wichtiges Ziel unserer Wirtschafts- und Mittelstandspolitik war und ist es deshalb, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und finanziellen Fördermaßnahmen so zu gestalten, dass sie das Wachstum gerade auch der kleineren Unternehmen und von Existenzgründern befördern, denn ein größerer Mittelständler kann nur werden, wer einmal klein angefangen hat.“

Der stv. Leiter des Statistischen Landesamtes, Rolf Nicolas, wies darauf hin, dass mit der Studie des IAW Tübingen und des ifm Mannheim erstmals die quantitative Bedeutung des Mittelstands in Baden-Württemberg auch für einzelne Branchen und in regionaler Betrachtung weit genauer beschrieben worden sei, als dies bisher möglich war.

Für den Mittelstand sind zum einen wesentlich die rein quantitative Abgrenzung zu den „Großunternehmen“, zum anderen qualitative Unterscheidungsmerkmale wie vor allem die wirtschaftliche Eigenständigkeit und Unabhängigkeit, d.h. die Nichtzugehörigkeit zu einer (größeren) Unternehmensgruppe oder einem Konzern. Insbesondere diese qualitativen Merkmale wurden in dieser Studie erstmals gründlich berücksichtigt.

Für die Abgrenzung des Mittelstands ist zum einen die Definition der EU gebräuchlich, die im Wesentlichen nur Unternehmen unter der Schwelle von 250 Beschäftigten umfasst. Nach dieser recht engen Definition gehören zum Mittelstand in Baden-Württemberg 421.000 Unternehmen, auf die 48,6 % aller Beschäftigten und 37,5 % des Umsatzes entfallen. Diese EU-Definition ist maßgeblich für viele Förderprogramme.

Gebräuchlich ist weiterhin noch eine Definition des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn, die Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten zum Mittelstand zählt. Diese vergleichsweise weite Mittelstandsabgrenzung schließt auch bereits viele der in aller Regel familiengeführten „hidden champions“ ein, die bereits bei einem bestimmten Produktsortiment zu den Weltmarktführern zählen können und die durchaus ebenfalls noch zur Zielgruppe der Mittelstandspolitik zählen.

Nach dieser „weiten“ Abgrenzung zählen in Baden-Württemberg 423.000 Unternehmen zum Mittelstand, auf die 63,1 % aller Beschäftigten und 53,4 % des Umsatzes aller Unternehmen in Baden-Württemberg entfallen.

Ein Bund – Land – Vergleich zeigt, dass der Beschäftigtenanteil des Mittelstands insgesamt in Baden-Württemberg nach beiden Mittelstandsabgrenzungen rund fünf Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Dies wie ein allerdings datenbedingt nur eingeschränkt möglicher Bundesländervergleich deuten vordergründig darauf hin, dass es eher die wirtschaftsschwächeren Bundesländer sind, die besonders hohe Mittelstandsanteile aufweisen – den höchsten Mittelstandsanteil hat Mecklenburg-Vorpommern, wo größere Unternehmen weitgehend fehlen. Umgekehrt weisen wirtschaftsstarke Flächenländer zusammen mit den Stadtstaaten den geringsten Mittelstandsanteil auf. So haben Baden-Württemberg und Bayern einen gleich hohen Mittelstandsanteil, der etwas unter dem Bundeswert liegt.

Das Gewicht des Mittelstands in den einzelnen Branchen ist allerdings enorm unterschiedlich – in Baden-Württemberg weist zum Beispiel der hier prägende Fahrzeugbau bei den Beschäftigten einen Mittelstandsanteil von nur knapp 4 % auf, der damit weniger als ein Zehntel des Landesdurchschnitts beträgt. Somit dürften Branchenstruktur und Agglomerationsdichte dominierende Einflussfaktoren für das Gewicht des Mittelstands sein.

Auch die Regionalanalyse für die baden-württembergischen Kreise weist darauf hin, dass Agglomerationsdichte und Branchenstruktur in ähnlicher Weise als Einflussfaktoren wirken wie beim Bundesländervergleich. So hat der Stadtkreis Stuttgart im Landesvergleich den kleinsten Mittelstandsanteil, gleiches gilt für die Region Stuttgart. Allerdings ist nicht etwa ein „linearer“ Anstieg der Mittelstandsanteile von städtischen zu ländlichen Räumen zu verzeichnen. Vielmehr weisen neben den städtischen Regionen auch die Verdichtungsbereiche im ländlichen Raum geringere Mittelstandsanteile auf, während die Randzonen um die Verdichtungsräume sowie der ländliche Raum höhere Mittelstandsanteile haben.

Rolf Nicolas hob hervor, die Studie beruhe allein auf bereits vorhandenen Daten des Statistischen Landesamts. Solche Analysen seien – ohne zusätzliche Belastung der Unternehmen und unter voller Wahrung des Datenschutzes – möglich geworden durch den Einsatz des weiter im Aufbau befindlichen Statistischen Unternehmensregisters.

Die Studie wurde vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) Tübingen und dem Institut für Mittelstandsforschung der Universität Mannheim (ifm) erstellt, sie wurde vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg aus Mitteln der Zukunftsoffensive III finanziert. Kurz- und Langfassung der Studie „Neue Datenquelle „Unternehmensregister“ – Mehr Informationen über den Mittelstand ohne neue Bürokratie“ stehen im Internetangebot des Wirtschaftsministeriums und des Statistischen Landesamtes (www.statistik-bw.de) zur Verfügung.