Staatssekretär Drautz: ?Unsere mineralische Rohstoffversorgung ist gesichert, wenn wir weiterhin langfristig planen

Baden-Württemberg setzt bei der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen wie zum Beispiel Steinsalz, Kies, Sand oder Natursteine auf Eigenversorgung. Doch viele der seit über 100 Jahren genutzten Lagerstätten gehen derzeit zur Neige. ?In den nächsten Jahren werden deshalb auch verstärkt Neuaufschlüsse oder Vertiefungen bestehender Abbaue erforderlich?, kündigten Wirtschafts-Staatssekretär Richard Drautz und der Freiburger Regierungspräsident Dr. Sven von Ungern-Sternberg anlässlich der Vorstellung des aktuellen Rohstoffberichts Baden-Württemberg heute im Steinsalzbergwerk Heilbronn der Südwestdeut-sche Salzwerke AG an.

„Die Gewinnung und Sicherung der heimischen mineralischen Rohstoffe sind für die wirtschaftliche Entwicklung Baden-Württembergs unentbehrlich“, erläuterte Drautz. „Die Versorgungssicherheit für Wirtschaft und Verbraucher in genügender Menge, Qualität und zu vertretbaren Preisen ist von grundlegender Bedeutung für den wirtschaftlichen Wohlstand.“ Der Staatssekretär wies darauf hin, dass konkurrierende Nutzungsansprüche in weiten Teilen der Landesfläche eher zunehmen werden. Drautz: „Steine haben wir genug, es wird nur immer schwieriger, auch ran zu kommen.“

Nach 2002 wurde nun zum zweiten Mal vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau ein Rohstoffbericht für Baden-Württemberg vorgelegt. Das Amt, das 2005 als Abteilung in das Regierungspräsidium Freiburg eingegliedert wurde, ist die zentrale Stelle der Landesverwaltung für Geologie und Bergbau. Der Rohstoffbericht ist Ende 2006 erschienen. Er gibt einen detaillierten Überblick über die Rohstoffsituation im Land und liefert landesweite Informationen für die Sicherung und nachhaltige Bewirtschaftung heimischer mineralischer Rohstoffe.

Der Bericht wurde heute – dem Anlass entsprechend – im Salzbergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke in Heilbronn Presse und Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel des Rohstoffberichtes ist es, Politik, Industrie, Behörden und Planern belastbare Zahlen und Fakten zu liefern und Trends aufzuzeigen. Damit wird er dem Auftrag des Rohstoffsicherungskonzepts der Landesregierung gerecht, einmal pro Legislaturperiode eine Standortbestimmung für die Rohstoffpolitik des Landes vorzunehmen.

„Gerade für staatliche und kommunale Behörden, die in den Bereichen Straßen-bau, Umwelt, Flächennutzungs- und Raumplanung tätig sind, ist es wichtig, dass die Planungen und behördlichen Beurteilungen bei konkurrierenden Nutzungs-ansprüchen an Rohstoffstandorte auf zuverlässige Daten und Informationen auf-bauen können“, unterstrich von Ungern-Sternberg. Derzeit werden rund 7200 ha Fläche, das entspricht 0,2 Prozent der Landesfläche, zum Abbau genutzt. Von den konzessionierten Flächen im Land standen Ende 2006 noch 21 Prozent zur Verfügung, waren also noch nicht abgebaut. Dies bedeutet gegenüber den 28 Prozent rechtlich genehmigter, aber noch nicht angetasteter Abbauflächen vor fünf Jahren, einen deutlichen Rückgang.

Hier sind gerade auch die Träger der Regionalplanung in Baden-Württemberg gefordert, die dafür Sorge tragen, dass landesweit ausreichend Gebiete für den Abbau und zur Sicherung von Rohstoffen festgelegt werden. Mittlerweile sind über 600 Gebiete in den Regionalplänen als Abbau- oder Sicherungsgebiete ausgewiesen. Trotzdem sind weitere Anstrengungen erforderlich. „Wenn sich die Konjunktur weiter erholt und stabilisiert, darf es bei der Rohstoffsicherung dann aber nicht eng werden“, so von Ungern-Sternberg.

Im Gegensatz zur weitgehenden Importabhängigkeit bei Energierohstoffen und Metallerzen kann der Bedarf an mineralischen Rohstoffen im Land vollständig aus heimischen Quellen gedeckt werden, sofern der Zugriff auf die Rohstoffflä-chen gesichert ist. Baden-Württemberg weist zahlreiche hochwertige und be-deutende Vorkommen mineralischer Rohstoffe auf. Bei den Lockergesteinen dominieren Kies und Sand, Quarzsand, Lehm und Tone. Bei den Festgesteinen gibt es eine Vielfalt an Kalk- und Mergelsteinen, Sandsteinen, Ölschiefer, Sinter-kalksteine sowie Gneise, Granite, Quarzporphyre und Phonolithe des Grundge-birges. Zu den wirtschaftlich bedeutsamen Industriemineralen zählen hochreine Kalksteine, Gips- und Anhydritstein, zeolithreicher Phonolith (Trass), Steinsalz sowie Fluss- und Schwerspat. Bei der Förderung von Steine- und Erden-Rohstoffen insgesamt steht Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich un-verändert an dritter Stelle. Daneben ist Baden-Württemberg das Bundesland mit der größten Steinsalzproduktion und der einzige einheimische Lieferant von Flussspat.

Die Gesamtfördermenge an mineralischen Rohstoffen lag im Zeitraum von 1992 bis 2005 im Mittel bei 105 Mio. Tonnen pro Jahr. Bei einer quasi vollständigen Selbstversorgung kommen somit im langjährigen Mittel auf jeden Einwohner rund 10 Tonnen mineralische Rohstoffe pro Jahr, oder rund 27 kg pro Tag. Die Entwicklung im Steinsalzbergbau verlief die letzten Jahr-zehnte unabhängig von der Nachfrage nach anderen mineralischen Rohstoffen. Mit über 4,9 Mio. Tonnen wurde im Jahr 2005 die größte Fördermenge im heimischen Steinsalzbergbau seit seinem mehr als 180-jährigen Bestehen erreicht.

Rund 400 weitere Betriebe sind mit der Verarbeitung der Rohstoffe befasst. Der konjunkturell bedingte Rückgang der Nachfrage bei den Baurohstoffen nach 1994 hat im Jahr 2004 die Talsohle erreicht, seit Mitte 2005 zeichnet sich ein re-gional unterschiedlicher aber insgesamt deutlicher Aufwärtstrend ab. Zu den landesweiten Entwicklungen im Rohstoffsektor gehören neben der Zunahme von Initiativen und Programmen zur Rohstofferkundung auch die kontinuierlichen Fortschritte bei der fachlichen und planerischen Rohstoffsicherung.

Als größte Herausforderungen der nächsten Jahre sind für die Rohstoffindustrie die Verteuerung der Importwaren Energie und Metalle, eine vorausschauende betriebliche Rohstoffsicherung in einem räumlich immer engeren Geflecht von Nutzungsansprüchen und die Erschließung künftiger Abbaugebiete zu nennen.