Projekt Chance feiert Geburtstag

Vor genau einem Jahr ist das fortschrittliche Projekt Chance als moderne Einrichtung eines zeitgemäßen Jugendstrafvollzuges in das Kloster Frauental bei Creglingen eingezogen und hat seine Arbeit aufgenommen. Maximal 15 jugendliche Strafgefangene gleichzeitig erhalten im Rahmen eines strengen altersgerechten Erziehungsprogramms die Chance, ihre Freiheitsstrafe außerhalb von Gefängnismauern zu verbüßen. Ziel des Projekts ist die nachhaltige Wiedereingliederung der Jugendlichen in die Gesellschaft. Eine erste Zwischenbilanz lasse erkennen, dass klare Regeln, ein straffer Tagesablauf und gezielte Ausbildung gepaart mit der notwendigen Aufmerksamkeit für die Probleme der Jugendlichen und deren Förderung die richtigen Ansätze sind, um junge Gefangene aus dem im Gefängnisalltag oft unvermeidbaren Teufelskreis negativer Einflüsse herauszuholen und künftig von weiteren Straftaten abzuhalten.

Zum Jahresabschluss informierte sich heute Justizminister Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP) als Vorsitzender des Trägervereins „Projekt Chance e. V.“ und Initiator des bundesweit einmaligen Projekts beim Bürgermeister der Stadt Creglingen Hartmut Holzwarth und dem örtlichen Beirat über Entwicklung und Stand der Einrichtung. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Minister dem Einrichtungsleiter Dr. Thomas Trapper einen Scheck über 6.000 Euro aus einer zweckgerichteten Geldbuße einer Staatsanwaltschaft. Hiervon sei die Anschaffung von 20 kompletten Sportausrüstungen vorgesehen, damit die Jugendlichen auch sportlich aktiv seien und soziale Kompetenzen erlernten. „Unsere Justiz verdammt straffällige Jugendliche nicht voreilig. Wir reichen ihnen die Hand zur Förderung ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Wenn die Jugendlichen diese Hand der Hilfe fest ergreifen und es so schaffen, sich aus ihrer Außenseiterrolle zu ziehen und ein Leben ohne Straftaten zu führen, war jeder Cent richtig angelegt“ zeigte sich Goll überzeugt.

Als Vorsitzender des Trägervereins zog der Justizminister eine positive Zwischenbilanz. Am Standort sei die Einrichtung von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert. Das abgeschiedene Kloster habe sich als idealer Ort für das persönlichkeitsfördernde Erziehungsprogramm erwiesen. Die Zusammenarbeit mit der Jugendstrafanstalt Adelsheim, aus der die Jugendlichen kommen, funktioniere reibungslos. Das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. habe sich als kompetenter und kooperativer Anstellungsträger für das Personal bewährt. Die hoch motivierten und hervorragend qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Einrichtungsleitung und im Team begegneten den Jugendlichen mit konsequenten erzieherischen Konzepten, aber auch im Geist christlicher Nächstenliebe. Dies sei eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit an und mit jungen Menschen. Bislang hätten über 25 Jugendliche im Projekt eine Chance für ein verantwortliches Leben ohne Straftaten erhalten. Sieben Jugendliche hätten die Einrichtung zwischenzeitlich mit einer Berufsausbildung oder einem Schulabschluss und damit einer guten Zukunftsperspektive verlassen. Soweit insgesamt vier Jugendliche sich nicht an die strengen Regeln gehalten hätten, habe die Einrichtungsleitung Konsequenz bewiesen und die Rückverlegung in die JVA Adelsheim verfügt.

Detaillierte Zwischenergebnisse würden demnächst aus einer bereits in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Begleitung des Projekts folgen, kündigte Goll an. Besonders freute sich der Minister darüber, dass das Projekt in der Fachöffentlichkeit gut angenommen worden sei und schon eine deutschlandweite Vorreiterrolle spiele: „An ähnlichen Einrichtungen wird in anderen Bundesländern bereits gearbeitet. Einmal mehr ist die Justiz Baden-Württembergs überzeugendes Vorbild für innovative und zielführende Wege.“