FDP Baden-Württemberg verleiht Reinhold-Maier-Medaille an Prof. Dr. Helmut Haussmann

Die FDP Baden-Württemberg hat am heutigen Samstag in Stuttgart den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister und FDP-Generalsekretär Prof. Dr. Helmut Haussmann mit der Reinhold-Maier-Medaille ausgezeichnet. Die Reinhold-Maier-Medaille wird seit 1989 abwechselnd vom baden-württembergischen FDP-Landesverband, der FDP/DVP-Landtagsfraktion und der Reinhold-Maier-Stiftung an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um den Liberalismus und den Wert der Freiheit verdient gemacht haben.

Helmut Haussmann, der 1943 in Tübingen geboren wurde, trat 1969 in die FDP ein und war von 1975 bis 1987 Kreisvorsitzender der FDP Reutlingen. 1976 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er bis 2002 angehörte. Von 1984 bis 1988 war Haussmann Generalsekretär der FDP und von 1988 bis 1991 Bundesminister für Wirtschaft. Seit 1982 gehört Haussmann dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an. Von den Universitäten Nürnberg-Erlangen und Tübingen wurde er zum Honorarprofessor berufen.  

Der Landesvorsitzende der FDP Baden-Württemberg, Michael Theurer MdB, würdigte Helmut Haussmann in seiner Laudatio als großen Liberalen und Ökonomen mit sozialer Rücksicht und ökologischer Weitsicht: „Wir als Freie Demokraten haben uns zur Aufgabe gemacht, die Einschränkungen der Freiheits- und Grundrechte so gering wie möglich zu halten und wir fordern, dass über diese Fragen Parlamente entscheiden. Prof. Dr. Helmut Haussmann hat genau diese Grundwerte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung immer verteidigt. Das Nachdenken und das Vordenken über die Funktionsweise unserer liberalen Demokratie war für ihn Antrieb und Anker in allen Zeiten seiner politischen Tätigkeit und sind es noch heute“, so Michael Theurer.

Helmut Haussmann, der über Jahrzehnte hinweg die politische Arbeit in Baden-Württemberg, aber auch in der Bundesrepublik Deutschland geprägt und mitgestaltet hat, setze wie kein anderer auf sozialen, technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt. „Als Generalsekretär hat Helmut Haussmann mit dem neuen Grundsatzprogramm der Freien Demokraten, dem „liberalen Manifest“ eine ganze Generation von Politikern geprägt. Es griff die großen Fragen der gesellschaftspolitischen Modernisierung und Erneuerung eines in Stagnation geratenen Landes auf. Auch die Frage nach dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen stand dort im Mittelpunkt, also die Verbindung von Ökonomie und Ökologie“, fasste Michael Theurer die Verdienste Helmut Haussmanns zusammen.

Helmut Haussmann war immer ein glühender und überzeugter Europäer, der als Bundeswirtschaftsminister die Grundlage für den europäischen Binnenmarkt gelegt hat. „Wer hätte denn in der Bundesregierung heute noch den Mut, auch gegen Widerstände ein solches Projekt wie die Schaffung des europäischen Binnenmarktes auf die Schiene zu setzen?“, fragte Michael Theurer. „Ich sage deshalb: Wir brauchen wieder mehr Politiker wie Helmut Hausmann, die eine Vision haben und die den Mut haben, diese Vision auch gegen Widerstände durchzusetzen.“ Solche Leuchtturmprojekte könnten heute, so Theurer, eine EU-Wasserstoffunion sein, die wir dringend brauchen, oder eine sichere europäische Datencloud, die die FDP schon vor fünf Jahren vorgeschlagen hat.

Wer Helmut Haussmann würdigt, der könne jedoch nicht nur die politische Tätigkeit in den Mittelpunkt nehmen, sondern müsse die Verbindung zwischen unternehmerischer Tätigkeit und politischer Tätigkeit im Dreiklang zur wissenschaftlichen Fundierung sehen, sagte Theurer. „Helmut Haussmann hat auf diese Verbindung zu den Hochschulen und zu den Universitäten immer Wert gelegt. Helmut Haussmann ist ein guter Vermittler zwischen der ökonomischen volks- und betriebswirtschaftlichen Praxis und der Wissenschaft und der Politik.“

Helmut Haussmann sei ein Mann, der ganz im Geist und in der Tradition Reinhold Maiers steht, sagte Theurer abschließend. Die Rückkoppelung an die Menschen und an die Basis sei im besonders wichtig, er denke aber auch in die Zukunft hinein. „Wer ihm begegnet, der ist anschließend menschlich und gedanklich bereichert.“  

Helmut Haussmann bezeichnete die Ehrung der Partei in seiner Dankesrede als wichtigen Ansporn für seine beiden Zukunftsprojekte: die liberale Bürgergesellschaft und die Geopolitik in der Nach-Corona-Zeit.

„Was die liberale Bürgergesellschaft angeht, so mangelt es uns heute leider an einer geschlossenen, attraktiven liberalen Gesamterzählung, einem Narrativ“, so Helmut Haussmann. In einer verunsicherten und sogar teilweise gespaltenen deutschen Gesellschaft sei es von großer Bedeutung, dass wir einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen und globalen Wohlfahrt leisten, indem wir wettbewerbsfähig werden, indem wir aber auch dem einzelnen die Chance geben, sich zu entfalten. „Gesellschaftliche Wohlfahrt ist Voraussetzung für persönliche Freiheit“, so Haussmann. „Wir leiden heute unter zu viel unbegründeter Selbstherrlichkeit selbsternannter, oft städtischer Scheineliten. Es ist ganz entscheidend, dass sich hier eine Partei in der Tradition Reinhold Maiers als bodenständig erweist und abgrenzt von vielen grünen Besserwissern“, erklärte Haussmann und unterstrich die Bedeutung des Austausches, der Wertschätzung und des gegenseitigen Verstehens von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien.

Mit Blick auf die Geopolitik in der Nach-Corona-Zeit kritisierte Helmut Haussmann, dass Deutschland und Europa zwar viel von Weltpolitikfähigkeit redeten, aber ihr eurozentrisches Denken sie daran hindere, andere Kontinente zu verstehen. „Verständnis ist eine Voraussetzung für eine langfristige strategische Kooperation“, betonte Haussmann. „Nur so erreichen wir Weltpolitikfähigkeit, indem wir uns nicht defensiv abkapseln.“ Im weiteren Verlauf seiner Rede nannte Helmut Haussmann drei Möglichkeiten für Europa und Deutschland, um sich überhaupt zwischen den USA und China behaupten zu können: „Erstens müssen wir unsere europäischen Haupttrümpfe in der globalen Welt weiter ausbauen: den Binnenmarkt und den Euro.“ Zweitens müsse, so Haussmann, der Anschluss an größere Wirtschafts- und Handelszonen vertieft werden und drittens, auch angesichts der europäischen und amerikanischen Uneinigkeit gegenüber China, sei eine China-Strategie aus deutscher Wirtschafts- und Wissenschaftssicht unabdingbar. „Wir sollten Deutschland weltweit zum Nummer-Eins-Land in Sachen China-Kompetenz machen. Das chinesische System zu begreifen heißt nicht, dieses gutzuheißen, aber ohne es zu verstehen, werden wir nicht weltpolitikfähig“, wie Haussmann zum Abschluss seiner Rede unterstrich.