Pfister: „Zeitplan des Atomkraftausstiegs endlich der Realität anpassen“

(Stuttgart) Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat im Hinblick auf den so genannten Energiegipfel die Bundesregierung aufgefordert, den Zeitplan zum Ausstieg aus der Atomkraft endlich an die Realität anzupassen. ?Der Ausstieg aus der Atomkraft kann nur innerhalb eines Zeitraums erfolgen, der es uns er-laubt, einen klimafreundlichen Ersatz bereitzustellen. Dies ist in dem kurzen Zeitraum, den die frühere rot-grüne Bundesregierung in ihrem Ausstiegsbeschluss festgelegt hat, nicht möglich. Im Ergebnis würde ein solch schneller Ausstieg bedeuten, dass wir die fehlenden Strommengen importieren müssten und uns so mehr und mehr dem Preisdiktat ausländischer Stromlieferanten aussetzen würden. Deshalb bin ich für eine Laufzeitverlängerung für die bestehenden Kernkraftwerke um 10 bis 15 Jahre. Die Laufzeitverlängerung sollte verknüpft werden mit der Verpflichtung, einen Teil der daraus entstehenden Gewinne in die Förderung erneuerbarer Energien zu stecken. Was den Atommüll angeht, so muss in jedem Fall ein Endlager errichtet werden. Der Atommüll ist folglich kein Argument gegen eine maßvolle Laufzeitverlängerung?, so Pfister heute in Stuttgart.

Der Minister wies darauf hin, dass in seinem Haus schon vor Jahren eine Studie zum Atomausstieg erstellt worden sei, die den von der alten Bundesregierung vereinbarten und leider auch von der neuen Bundesregierung auf Druck der SPD bestätigten Atomausstieg bis 2021, der ohne den massiven Einsatz von Kohle in der Verstromung und damit klimaverträglich möglich sein soll, als reines Wunschdenken demaskiere.

Das fragliche Gutachten ?Struktur und Entwicklung der zukünftigen Stromversorgung Baden-Württembergs? kommt dabei zu dem Ergebnis, dass bei einem Ausstieg aus der Kernenergie die Klimaschutzziele des Landes unter bestimmten Voraussetzungen erreicht werden können. Zeithorizont ist dabei allerdings das Jahr 2050, während die Kernkraftwerke nach der gegenwärtig noch relevanten Ausgangslage ab 2021 vollständig zu ersetzen wären.