Pfister: ?Nicht angetretene Ausbildungsplätze zurückgeben, damit offene Lehrstellen besetzt werden können?

(Stuttgart) Angesichts des in dieser Woche begonnenen neuen Schuljahres appelliert Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister an Jugendliche, die einen Ausbildungsvertrag unterschrieben haben, sich jetzt aber doch für den Besuch einer beruflichen Vollzeitschule oder die Aufnahme eines Studiums entschieden haben, den Betrieb und die zuständige Arbeitsagentur umgehend darüber zu informieren. Nur so ist es möglich, einen Teil dieser Ausbildungsplätze doch noch zu besetzen.


Angesichts der aktuellen Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist es wichtig, das vorhandene Lehrstellenangebot soweit als möglich auszuschöpfen. Dies gilt nicht nur für die nicht angetretenen Lehrstellen. Dies gilt ebenso für die von den Organisationen der Wirtschaft im Rahmen des Bündnisses für Ausbildung neu akquirierten Ausbildungsplätze und auch für Ausbildungsplätze in den Branchen, die traditionell Probleme haben, die vorhandenen Lehrstellen zu besetzen.

Der Wirtschaftsminister des Landes appelliert deshalb an alle Jugendlichen, die sich immer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle befinden, möglichst flexibel und mobil auf das noch vorhandene Lehrstellenangebot zu reagieren. Wenn eine Ausbildung im Wunschberuf nicht möglich ist, sollten sie sich auch Alternativen überlegen und

sich evtl. auch für die Ausbildung in einem anderen Beruf entscheiden. Außerdem kann nicht jede Lehrstelle direkt vor der Haustür liegen. Deshalb müsse hin und wieder auch ein längerer Weg zum Ausbildungsort oder eine auswärtige Unterbringung in Kauf genommen werden.

Minister Pfister: „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, so viele Jugendliche wie möglich in eine Berufsausbildung zu bringen.“ Abgänger allgemein bildender Schule sollten soweit irgend möglich versuchen, unmittelbar nach dem Schulabschluss in eine duale Berufsausbildung einzutreten. Der Besuch einer beruflichen Vollzeitschule kann die Chance auf den gewünschten Ausbildungsplatz zwar erhöhen; er tut dies aber nicht in jedem Fall. Vielfach verlängert er nur die Ausbildungszeit.

Insgesamt wies der Wirtschaftsminister darauf hin, dass sich die aktuelle Lehrstellensituation in Baden-Württemberg derzeit deutlich besser darstellt, als die Berufsberatungsstatistik der Arbeitsverwaltung vermuten lässt. Bei den Arbeitsagenturen des Landes wurde bis Ende August ein Rückgang der gemeldeten Ausbildungsstellen von 7,2 % verzeichnet, denen eine deutliche Zunahme der gemeldeten Bewerber von 5,8 % gegenüberstand. Diese Zahlen basieren jedoch auf freiwilligen Meldungen und spiegeln deshalb nicht den gesamten Lehrstellenmarkt wider. Dies gilt auch für die 6.740 noch unbesetzten Ausbildungsstellen, denen Ende August knapp über 20.000 nicht vermittelte Bewerber gegenüberstanden. Hier müssten nach dem Worten des Ministers zunächst die Zahlen zum 30.09.04 – dem Ende des Berufsberatungsjahres – abgewartet werden, denn ein erheblicher Teil der im August noch un-versorgten Bewerber würden sich erfahrungsgemäß für den Besuch einer schulischen Alternative entscheiden.

Dass sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt in Baden-Württemberg leicht entspannt hat, zeigen die aktuellen Zahlen der Kammern, bei denen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse registriert werden.

So stieg im Bereich der Industrie- und Handelskammern, bei denen über die Hälfte aller Verträge registriert werden, die Zahl der Neueintragungen bis Ende August um 4,9 % und auch im Handwerk, in dem knapp 30 % aller Ausbildungsverhältnisse registriert werden, stieg die Zahl der Neueintragungen bis Ende August um 2,2 % gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres.

Auch wenn es sich dabei nur um Zwischenergebnisse handelt, sind dies doch recht erfreuliche Meldungen. Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Pfister zeigen sie, dass die Vereinbarungen, die im Rahmen des Bündnisses zur Stärkung der beruflichen Ausbildung in Baden-Württemberg getroffen wurden, zu wirken beginnen. Die Kammern seien nach seiner Ansicht mit großem Engagement dabei, die versprochenen zusätzlichen Ausbildungs- und Praktikumsstellen zu akquirieren. Dabei werden sie auch vom Land durch eine erhöhte Förderung bei den Lehrstellenwerbern unterstützt.

Der Minister zeigte sich deshalb zuversichtlich, dass es im Jahr 2004 gelingen wird, die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr auf jeden Fall zu erhalten. Er hoffe sogar, dass es erstmals seit drei Jahren wieder gelingen könne, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge wieder zu erhöhen.

Ob eine Steigerung und damit eine positive Lehrstellenbilanz für 2004 möglich sei, werde vor allem in den nächsten Wochen und Monaten entschieden. An die Betriebe appellierte er deshalb vor dem Hintergrund der derzeit spürbaren konjunkturellen Erholung, ihren künftigen Fachkräftebedarf im Auge zu behalten und sich im Zweifelsfall für die Ausbildung junger Menschen zu entscheiden.