Pfister: „Duales System der Berufsbildung muss international besser anerkannt werden?

(Stuttgart) Der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat heute anlässlich der bevorstehenden Konferenz der Wirtschaftsminister der Länder (WMK) in Erfurt auf die enorme Bedeutung der Berufsbildung im europäischen Vergleich hingewiesen. ?Der Einfluss der Europäischen Union auf das deutsche Berufsbildungssystem wird in Zukunft weiter zunehmen. Die berufliche Bildung muss daher künftig noch stärker in den Mittelpunkt der Arbeit der WMK rücken?, sagte der Minister im Vorfeld des Treffens in der kommenden Woche.

Die diesjährige Frühjahrs-WMK werde sich gleich mit drei wichtigen berufsbildungspolitischen Themen befassen?, erläuterte Pfister. Dies seien zum einen der so genannte Europäische Qualifikationsrahmen (EQF) – ein bildungsbereichsübergreifendes Übersetzungsinstrument, das Bildungsabschlüsse und die mit ihnen verbundenen Handlungskompetenzen transparent und international vergleichbar machen soll. Darüber hinaus stünden aber auch die Internationalisierung der beruflichen Erstausbildung sowie die Frage, inwieweit hochwertige berufliche Weiterbildungsabschlüsse künftig mit international lesbaren Bezeichnungen wie Bachelor bzw. Master (Professionals) versehen werden sollen auf der Tagesordnung.

?Diese Themen haben für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Berufsbildungssystems eine große Bedeutung?, sagte der Wirtschaftsminister. Leider, so Pfister, sei das duale Berufsbildungssystem in der EU weitgehend einmalig und daher Vielen unbekannt. Häufig werde ihm in Europa auch nicht die gebührende Anerkennung zuerkannt, beklagte er. Daher sei es von enormer Bedeutung, dass die deutschen Berufsbildungsabschlüsse beim derzeit auf EU-Ebene in Entwicklung befindlichen EQF eine Einstufung erreichen, die ihrer hohen Qualität entspricht.

Auch müsse das Berufsprinzip im europäischen Kontext gewahrt werden. Gewachsene Berufsbilder dürften nicht durch eine zusammenhanglose Ansammlung von Qualifizierungsmodulen ersetzt werden, forderte der Minister. ?Wir müssen aufpassen, dass unsere dualen Abschlüsse im Wettbewerb mit international gebräuchlicheren Abschlüssen vollzeitschulischer beruflicher Bildungsgänge nicht ins Hintertreffen geraten?, so Pfister. Der Erfolg der deutschen Unterneh-men am Weltmarkt beruhe nicht zuletzt auch auf der guten Ausbildung der Fachkräfte im dualen System.

EQF werde die berufsbildungspolitische Diskussion der nächsten Jahre national und international wesentlich mit bestimmen, ist sich Pfister sicher. Es sei daher sehr wichtig, dass die WMK bei diesem Thema weiter am Ball bleibe und sich auch in Zukunft intensiv an den Prozessen beteilige.

Gleiches gelte auch für eine verstärkte internationale Ausrichtung der beruflichen Erstausbildung, für die das 2005 in Kraft getretene neue Berufsbildungsgesetz erweiterte Grundlagen geschaffen habe. ?Wenn es uns zusammen gelingt, dass in Zukunft erheblich mehr Jugendliche einen wesentlichen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren, wird dies nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Arbeitskräfte verbessern, sondern auch dazu beitragen, das deutsche Berufsbildungssystem im Ausland bekannter zu machen?, sagte Pfister. Auf diese Weise könne in Europa ganz praktisch für die Vorzüge der dualen Ausbildung geworben werden.
Der Minister führte in diesem Zusammenhang weiter aus, dass auch die Schaffung von international lesbaren Abschlüssen in der beruflichen (nicht akademischen) Weiterbildung, wie dem Bachelor Professionals, zu einer besseren Akzeptanz der deutschen Bildungsabschlüsse in Europa beitragen könnte. Damit würde die Mobilität der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer innerhalb der EU wesentlich erleichtert. ?Hier stehen wir allerdings mit der Diskussion auch innerhalb der WMK noch am Anfang?, sagte Pfister. So sei zum Beispiel noch nicht geklärt, welche Weiterbildungsabschlüsse konkret dafür in Frage kämen und in welcher rechtlichen Form dies geschehen könne.