Offener Brief zum Muttertag

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident
lieber Herr Oettinger,

der absolut unnötige Streit um die Verkaufsöffnung am Muttertag ist einfach nur peinlich.
Nehmen Sie sich ein Herz, beenden Sie den Streit mit einem Federstrich und lassen Sie die Geschäftsöffnung zu.
Bretten und Gottmadingen haben Recht, wenn sie auf die Barrikaden gehen. Gemeinderäte und Oberbürgermeister haben meine volle Unterstützung, wenn Sie für ihre mittelständischen Betriebe vor Ort gleiches Recht fordern. Es handelt sich um eine einmalige Ausnahme, dass Muttertag und Pfingstsonntag zusammenfallen.
Dies sollte auch als solche Ausnahme behandelt werden.
Der Schutz christlicher Feiertage ist für mich ein hohes Gut. Hier jedoch geht es um eine Frage der gleichen Gewichtung. Es ist nicht erklärbar, warum Blumen am Muttertag beim Tankshop und im Bahnhof gekauft werden können, der Blumenhändler aber ein Verbot erhält, Umsatz zu machen
Es ist nicht erklärbar, warum die frischen Backwaren in jedem Cafe und Tank- und Bahnhofsladen gekauft werden können, der Bäcker aber seinen Laden geschlossen halten muss.
Es ist nicht erklärbar, warum sich 200 Ausflugsgemeinden wenigstens beim Blumenverkauf auf eine Ausnahmeregelung berufen können, allen anderen aber diese Möglichkeit verwehrt bleibt.
Erfreulicherweise haben Sie ja die 50000 Euro teure Werbekampagne für das Einkaufen vor dem Muttertag eingestampft. Dies wäre auch nur eine groteske Maßnahme gewesen.
Wenn sich die Gemeinden jetzt auf ein öffentliches Interesse berufen, wird es spannend, wie sich die Gerichte verhalten.
Aber wollen wir wirklich in unserem liberalen Baden-Württemberg, dass mutige Gemeinden die Interessen des Mittelstandes per Gerichtsbeschluß gegen den Ministerpäsidenten und die Sozialministerin erklagen?
Sie vertreten in diesem Fall allerhöchstens noch Ihre eigene Partei, die FDP als Teil der
Landesregierung sicher nicht. Und ganz nebenbei: Bisher habe ich noch keinen Vertreter Ihrer Partei getroffen, der nicht hinter vorgehaltener Hand eingeräumt hat, dass es doch kein Problem sein könne, am Muttertag für drei Stunden die Läden zu öffnen. Deswegen ziehen Sie die Notbremse und beenden Sie den Muttertagsstreit, zu dem es hätte nie kommen dürfen.
Mit freundlichen Grüßen
verbleibe ich
Ihr

Patrick Meinhardt, MdB