„Ich kann die Karre ein Stück weit anschieben“

Stuttgart – FDP-Chef Guido-Westerwelle lobt ihn als „brillanten Juristen“. Gleichwohl kam der Wiedereinstieg des 54-jährigen Ulrich Goll in die Landespolitik überraschend. Kurios: Der Vorgänger der zurückgetretenen Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck ist auch ihr Nachfolger.

+++ Herr Goll, was hat Ihnen die FDP denn versprochen, damit Sie wieder in Ihr altes Amt zurückkehren?

Die FDP hat mir natürlich nichts versprochen. Es sei denn, man drückt es so aus: Sie will gemeinsam mit mir das Ziel einer dritten Regierungsbeteiligung 2006 anstreben. Dasselbe habe ich ihr auch versprochen.

+++ Ist das denn kein finanzieller Abstieg?

Bei meiner Entscheidung kommt es nicht in erster Linie aufs Geld an. Vom Ministeramt kann meine Familie genauso leben wie von dem, was ich in der Kanzlei verdient habe.

+++ Hat es Ihnen dort keinen Spaß gemacht?

Es hat mir sogar Riesenspaß gemacht. Es schmerzt mich auch, dass verschiedene Dinge dort jetzt liegen bleiben. Das Geschäft kam nach der Einarbeitungszeit ja gerade erst richtig in Schwung. Jetzt werde ich in der Form ausscheiden, wie es das Amt gebietet. Ich bin der Kanzlei aber natürlich weiterhin verbunden, in der ich anderthalb Jahre eine Menge dazugelernt und nette Kollegen kennen gelernt habe.

+++ Gelten Ihre Vorsätze nicht mehr? Bei Ihrem Abschied aus dem Ministeramt sagten Sie, Sie wollten nicht mehr in der Politik sein, wenn Ihre Kinder Zeitung lesen können.

Da ist schon was dran. Meinen Ältesten setze ich jetzt der Gefahr aus, dass er in der Zeitung Dinge über seinen Vater liest, die er vielleicht nicht versteht. Aber ich habe diesen Satz zu einer Zeit gesagt, in der es um die FDP nicht kritisch stand. Ich fürchte zwar nicht um den Bestand der Partei, das darf man nicht übertreiben. Ich sehe die Situation aber kritisch, was ihre Rolle in der kommenden Legislaturperiode angeht: ob wir die Regierungsbeteiligung wieder schaffen. In dieser Situation fällt eine Wertung eben anders aus.

+++ Mit Verlaub: Ein Signal für Aufbruch ist es nicht gerade, wenn ein Minister zum zweiten Mal antritt.

Das kann man so oder so sehen. Ich finde es gut, wenn ein Wechsel möglich ist zwischen Wirtschaft und Politik und umgekehrt. Ich komme mit neuer Erfahrung und frischem Tatendrang. Ich kehre sozusagen unverbraucht und nicht frustriert in die Politik zurück. Und ich bin sicher, dass ich die Karre ein Stück weit anschieben kann.

+++ Welchen Einfluss hatte der Rücktritt von Walter Döring auf Ihre Entscheidung?

Dörings Rücktritt hat ein Riesenloch gerissen. Wir haben aber eine neue Landesvorsitzende, die auf Grund ihrer Begabung eine hervorragende Zukunft hat. Sie braucht aber Unterstützung, deshalb halte ich es für ein gutes Signal, dass einer aus der ersten Regierungsgeneration zurückkehrt.

+++ Man wird nun mehr von Ihnen erwarten, als nur Justizminister zu sein. Mit Parteipolitik hatten Sie bisher aber nicht viel im Sinn.

Die Arbeitsteilung unter Döring war sicher eine andere, als sie es künftig sein wird. Nun ist jeder gefordert, das Profil der FDP insgesamt zu schärfen und den Menschen näher zu bringen. Insofern trete ich das Amt nun unter etwas anderen Vorzeichen an.

+++ Wo wollen Sie inhaltlich anknüpfen?

Ich werde größten Wert darauf legen, dass weiter rechtspolitische Impulse aus dem Justizressort kommen. Ich lege auch Wert darauf, dass die baden-württembergische Justiz ihre Qualität beibehält. Es gilt aber auch, deutlich zu machen mit Blick auf 2006, dass dieses Land mit einer liberalen Regierungsbeteiligung gut fährt und es ein Fehler wäre, in diesem fortschrittlichen, weltoffenen Land eine absolute CDU-Mehrheit oder eine andere Formation zu bekommen.

+++ Inwiefern wird Ihre neue Erfahrung als Insolvenzverwalter in Ihre Arbeit einfließen?

Ich könnte scherzhaft antworten, dass es kein Fehler ist, wenn man sich mit Krisenmanagement auskennt. Aber im Ernst: Ich habe über den Zaun geschaut und eine ganz andere Vorstellung bekommen von Wirtschaftlichkeit und rationeller Organisation.

Fragen von Arnold Rieger