Heilbronn: Auf die FDP kommt es an

Der Heilbronner Kiliansplatz war gestern zur Feierabend-Zeit fest in liberaler Hand. Bei einer Großkundgebung rührten die FDP-Spitzen aus dem Land nochmals kräftig die Wahltrommel. Allgemeiner Tenor: Auf die FDP kommt es an.

Ganz ungezwungen, schwarzes T-Shirt, schwarze Jeans und gemustertes Sakko, hielt Dr. Walter Döring in bestem Schwäbisch den Zuhörern den Spiegel der rot-grünen Politik vor Augen: „Nach diesen vier Jahren geht es uns beschissen.“

Spöttisch kommentierte der baden-württembergische Wirtschaftsminister den Rettungsversuch von Mobilcom durch die Bundesregierung: „Bei den Großen kommt der Kanzler, bei den Kleinen der Gerichtsvollzieher. “

Zu den lautstarken und störenden Zwischenrufen eines Siebenröhrenbrunnen-Krakeelers merkte Döring unter dem Beifall der zahlreichen Zuhörer schlagfertig an: „Wenn wir so viele Prozent bekommen, wie Sie Promille haben, dann haben wir am Wahlsonntag ein super Ergebnis.“

Kein Blatt vor den Mund nahm Dr. Klaus Kinkel. Wortgewaltig prangerte der ehemalige Außenminister, der sich aus der aktiven Bundespolitik verabschiedet, die Irak-Politik von Rot-Grün an: „Da bleibt mir die Luft weg. Dank des großkotzigen Auftritts von Gerhard Schröder haben wir es mit den USA verschissen.

Er allein hat die deutsch-amerikanischen Beziehungen an die Wand gefahren.“ Dass Schröder nicht mit dem US-Präsidenten wegen der Irak-Frage telefonieren will, ist für Kinkel sekundär: „Er wird gar nicht mehr zu Bush durchgestellt.“

Keinen Hehl machten Klaus Kinkel und Walter Döring daraus, dass die Heilbronner Wählerinnen und Wähler mit dem Kandidaten Michael Link “ eine echte Alternative haben“. In jenen Momenten legte Döring immer wieder demonstrativ seinen Arm um den Heilbronner FDP-Landtagsabgeordneten Richard Drautz.

Anfang des Jahres sah das noch anders aus. Damals tendierten die Sympathien gegen null. Kämpferisch gab sich auch die FDP-Spitzenkandidatin Birgit Homburger. Sie geißelte Rot-Grün ob ihrer Politik nach den Flutkatastrophe und rief in die Runde: „Hier wurde eindeutig Politik auf dem Rücken der Opfer gemacht.“

Ehe der große FDP-Tross wohl gelaunt vom gelb-blau inszenierten Kiliansplatz zum Weindorf aufbrach, spielte das Heilbronner Karneval-Urgestein Erich Hüttner, der für den musikalischen Rahmen rund um den FDP-Würfel engagiert worden war, das Walter-Scheel-Lied “ Hoch auf dem gelben Wagen“.