Freudenberg: „Streit um Windenergie muss ein Ende haben“

Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister strebt einen Schulterschluss mit Regionalverbänden und Kommunen zu Gunsten des weiteren Ausbaus der Windenergie an. Dies verdeutlichte der Amtschef des Wirtschaftsministeriums, Ministerialdirektor Hans Freudenberg, in dieser Woche im Rahmen des von der EnBW in Stuttgart ausgerichteten Symposiums „Windenergie aus und in Baden-Württemberg“. Der mitunter heftige Streit um die Windkraft mit Schlagworten wie „Verhinderungsplanung“ auf der einen Seite und „Landschaftsverspargelung“ auf der anderen Seite müsse endlich ein Ende finden, so Freudenberg. Stattdessen gelte es, den Fokus auf das Ausbauziel für erneuerbare Energien als zunehmend wichtigen Baustein für die Energieversorgung im Land zu richten. In diesem Zusammenhang erneuerte er das Bekenntnis der Landesregierung zur optischen Wahrnehmbarkeit von Windenergieanlagen. Gleichzeitig betonte Freudenberg, dass niemand eine Überprägung der baden-württembergischen Landschaft mit Windrädern befürchten müsse

Freudenberg verwies auf die große Bedeutung, die die Landesregierung den erneuerbaren Energien beimesse. „Bis zum Jahr 2020 streben wir einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung von mindestens 20 Prozent an.“ Dieses anspruchsvolle energiepolitische Ziel des Landes sei nur zu erreichen, wenn alle erneuerbaren Energieträger und damit auch die Windenergie in Baden-Württemberg entsprechend weiter ausgebaut würden. Notwendig sei in erster Linie der Neubau von Anlagen, aber auch die als Repowering bezeichnete Modernisierung im Bestand. Freudenberg: „Um die im Energiekonzept 2020 verankerten Ziele des Landes zu erreichen, müssen wir den derzeitigen Anteil der Windenergie an der Bruttostromerzeugung von rund 0,8 Prozent zumindest verdoppeln. Wenn wir diese Größenordnung erreichen wollen, und das müssen wir, bedarf es eines Umdenkens, auf jeden Fall aber einer Abkehr von bislang festgefahrenen Positionen.“

Besonders wichtig sei es, bei neuen Standorten auf ein ausreichendes Windaufkommen zu achten. Nur so, betonte Freudenberg, ließen sich Investoren für neue, ausreichend leistungsfähige Windräder finden. Mit Verweis auf unbebaute Vorranggebiete für Windkraftanlagen deutete Freudenberg in diesem Zusammenhang an, die Landesregierung wolle darauf hinwirken, dass die Regionalverbände ihre Windkraftplanungen auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls den Zielen des Energiekonzepts anpassen. So gäbe es in Baden-Württemberg hervorragende Standorte, insbesondere in den Hochlagen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb, die nochmals geprüft werden könnten.

Ein Repowering von Altanlagen außerhalb von Vorranggebieten, das derzeit aus rechtlichen Gründen nicht möglich ist, schloss Freudenberg für die Zukunft nicht aus. Er erläuterte aber, dass das Repowering derzeit noch keine große Bedeutung habe. Nur wenige Anlagen seien so alt, dass Modernisierungen kurzfristig in relevanten Größenordnungen in Betracht kämen.

Die Landesregierung sei diesbezüglich sehr daran interessiert, dass der Gedanke, alle erneuerbaren Energien möglichst effizient und wirkungsvoll zu nutzen, nachhaltig und vorurteilsfrei in den Verbandsversammlungen der Regionalverbände und in den Gemeinderäten der Kommunen Niederschlag findet. Sie werde diesen Prozess aktiv begleiten, so Freudenberg abschließend.