„Feldgottesdienst für Schröder“

+++ Offiziell will die FDP 18 Prozent bei der nächsten Bundestagswahl erreichen. Mit wie viel Prozent rechnen Sie persönlich?

Döring: 18 Prozent sind eine hervorragende Zielmarke, die uns dazu gebracht hat, das wir jetzt fünf Wochen vor der Wahl schon bei zwölf Prozent liegen.

+++ Hat die von Möllemann angezettelte Antisemitismus-Debatte der FDP geschadet.

Döring: Das Thema ist abgeschlossen. Wir hatten ein Zwischentief, haben uns aber glücklicherweise wieder erholt.

+++ Guido Westerwelle nennt sich auch Kanzlerkandidat. Wird er als solcher überhaupt wahrgenommen?

Döring: Westerwelle steht auf gleicher Augenhöhe mit Schröder und Stoiber. Er steht für eine Steuerreform, für mehr Bildung und mehr Arbeit. Daher denke ich, dass die Kanzlerkandidatur berechtigt ist.

+++Sie haben Stoiber zu Anfang des Wahlkampf einmal eine „schwache Variante“ von Schröder genannt. Hat er inzwischen an Profil dazugewonnen?

Döring: In der Endphase legt er offensichtlich ein bisschen zu. Aber er macht nach wie vor nicht mannhaft genug deutlich, dass wir gravierende Veränderungen brauchen, wenn es mit Deutschland wieder vorwärts gehen soll. Ich nenne die Themen Kündigungsschutz, Kohlesubventionen und betriebliche Tarifvereinbarungen. Da zögert Stoiber noch zu viel.

+++ Können Sie es durchhalten, weiter ohne Koalitionsaussage Wahlkampf zu machen?

Döring: Ja, offensichtlich wird das auch von der Wählern angenommen. Wir sind die einzige Partei, die Mitgliederzuwachs hat und wir liegen in den Umfragen so hoch, wie seit 25 Jahren nicht mehr.

+++ Ist es klug, am heutigen Freitag der offiziellen Vorstellung des Hartz-Papiers fernzubleiben?

Döring: Das ist ein Feldgottesdienst, den Herr Schröder zu seinen eigenen Weihen durchführt. Bei einer Schauveranstaltung zugunsten eines politischen Konkurrenten müssen wir nicht als Claqueure in der ersten Reihe sitzen.

+++ Was haben sie an der Hartz-Kommission auszusetzen?

Döring: Hartz ist gut gestartet, aber vom linken SPD-Flügel und den Gewerkschaften ziemlich rund gelutscht worden. Es steht immer noch Hartz drauf, aber es ist keiner mehr drin. Daher kommen wir mit den Vorschlägen der Kommission nicht sehr weit.

+++ Lothar Späth macht die Wirtschaftspolitik bei Stoiber. Das ist traditionell ein Feld der FDP. Gräbt er ihnen das Wasser ab?

Döring: Ich kann das bisher nicht feststellen. Ein 10-Milliarden-Konjunkturprogramm, wie es Späth vorschlägt, bringt überhaupt nichts und ist Wirtschaftspolitik der 70er Jahre. Davor müssen wir uns nicht fürchten.

+++ Thema Bildungspolitik. Würden sie als Reaktion auf die Pisa-Studie ein bundesweites Zentralabitur begrüßen?

Döring: Nein. Ich halte auch ein Bundeskultusministerium für falsch. Bei der Bildungspolitik wollen wir den Wettbewerbs-Föderalismus behalten. Das ist der letzte Zipfel echter Länderhoheit, der uns geblieben ist.