FDP ist drittstärkste Kraft – Chance für personelle und inhaltliche Verbreiterung

Berlin. Das FDP-Präsidiumsmitglied BIRGIT HOMBURGER gab dem ?Offenburger Tageblatt? (heutige Ausgabe) das folgende Interview. Die Fragen stellte FRIEDHELM FIEDLER:

Frage: Der Machtkampf um die Führung in der FDP hat viel Staub aufgewirbelt. Halten Sie es für eine gute Lösung, daß Wolfgang Gerhardt bald geht und Guido Westerwelle ab Mai 2006 auch den Fraktionsvorsitz übernimmt?

Homburger: Ich bin sehr froh, daß die Personaldiskussion so zügig und vor allem einvernehmlich beendet wurde. Ich finde die getroffene Lösung gut, den Stabwechsel im kommenden Frühjahr vorzunehmen. So gibt es in den nächsten Wochen, die sehr schwierig werden, einen geordneten Übergang.

Frage: Warum ist Guido Westerwelle im neuen Bundestag der bessere Fraktionschef?

Homburger: Es geht nicht um die Frage ob besser, sondern um eine persönliche Entscheidung von beiden, die von der Fraktion getragen wird. Guido Westerwelle hat einen maßgeblichen Anteil an unserem Wahlerfolg. Er hat Führungsqualitäten bewiesen und einen exzellenten Wahlkampf hingelegt. Er hat keine Fehler gemacht. Er ist ein starker Redner und denkt strategisch. Mit diesen Qualitäten wird er die Fraktion gut positionieren.

Frage: Am kommenden Dienstag soll die FDP-Fraktion erst Gerhardt wählen, danach den künftigen Fraktionschef in spe, Westerwelle. Ist das Risiko nicht groß, daß die Gerhardt-Anhänger seinem Nachfolger einen kräftigen Denkzettel verpassen werden?

Homburger: Nein, ich gehe fest davon aus, daß die Fraktion beiden Kandidaten mit großer Mehrheit das Vertrauen aussprechen wird. Es ist ein gemeinsamer Vorschlag, der in der Fraktion breite Unterstützung findet.

Frage: 40 Prozent der 61-köpfigen FDP-Fraktion sind neu im Bundestag. Die Mannschaft ist auch deutlich jünger geworden. Was ändert sich an Stil und Inhalten?

Homburger: Wir sind jetzt drittstärkste Fraktion und wir sind jünger geworden. Viele exzellente und kreative Köpfe sind neu dazu gekommen. Das bringt große Chancen auf eine personelle und inhaltliche Verbreiterung.

Frage: Die FDP hat ein starkes Wahlergebnis eingefahren. Gehen Sie davon aus, daß die Partei sich doch noch in einer Regierungskoalition wiederfindet oder heißt die Parole nicht schon längst: Ab in die Opposition?

Homburger: Das kann man heute noch nicht abschätzen. Allerdings kommt eine Ampel für uns nicht infrage, mit der SPD werden wir nicht sprechen. Dabei bleibt es. Nicht sie, sondern die Union hat durch die Wahl einen Regierungsauftrag bekommen. Ich persönlich bin zudem sehr skeptisch, ob es gelingt, eine Koalition aus Schwarz, Gelb und Grün zustande zu bringen.

Frage: In sechs Monaten wird in drei wichtigen Bundesländern gewählt: Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und in Sachsen-Anhalt. Wie ist Ihre Prognose?

Homburger: Wir haben in allen drei Ländern bei der Bundestagswahl zugelegt. Baden-Württemberg liegt bei 11,9 Prozent, Rheinland-Pfalz bei 11,7 und Sachsen-Anhalt bei 8,1 Prozent. Das ist eine hervorragende Ausgangsposition für ein erfolgreiches Abschneiden bei den Wahlen am 26. März 2006.