?Enorme Chancen für innovative und qualitativ hochwertige Güter und Dienstleistungen?

Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat die Unternehmen im Land auf die wachsende Bedeutung älterer Menschen für die Wirtschaft hingewiesen. ?Die Wirtschaft ist immer stärker auf das Potenzial älterer Arbeitskräfte angewiesen. Wir können es uns nicht mehr leisten, Ältere auf das Abstellgleis zu schieben, weil sich ihre Erfahrung und ihre Kompetenz immer schwerer ersetzen lassen?, sagte Ernst Pfister heute in Stuttgart. In vielen deutschen Unternehmen sei jedoch immer noch die Praxis verbreitet, Ältere mit Hilfe staatlicher Subventionen in den Vorruhestand zu schicken und die Belegschaft zu verjüngen, kritisierte der Minister. Der demografische Wandel, der eine der größten Herausforderungen der Zukunft darstelle, sei zudem nicht nur als Bedrohung, sondern auch als große Chance für die Wirtschaft zu sehen, um neue Markt- und Beschäftigungs-felder zu erschließen.

In Baden-Württemberg liegt der Anteil der 60-Jährigen und Älteren an der Bevölkerung derzeit bei 24 Prozent. Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes wird dieser Anteil bis zum Jahr 2030 auf 35 Prozent, bis 2050 auf 39 Prozent ansteigen. „Das bedeutet, dass die Unternehmen die Herausfor-derungen der Zukunft mit älteren Belegschaften bewältigen müssen“, so Ernst Pfister. Arbeitskräfte werden nicht nur im Durchschnitt immer älter, sie werden auch immer knapper. Die Gruppe der Erwerbsfähigen im Alter von 20 bis 60 Jahren wird von derzeit rund 5,9 Millionen bis 2030 um 840.000 Personen abnehmen. „Bewerber gelten heute mit 45 Jahren als alt, mit 50 sind sie kaum noch vermittelbar“, so Ernst Pfister. Durch das Hinausdrängen Älterer aus dem Arbeitsmarkt und deren Übergabe an die sozialen Sicherungssysteme würden immense Sozialkosten produziert. Vor diesem Hintergrund sprach sich der Minister entschieden dagegen aus, das Altersteilzeitgesetz, das Ende 2009 ausläuft, zu verlängern.

Gleichzeitig haben Unternehmen in vielen Bereichen schon heute Schwierigkeiten bei der Gewinnung von qualifizierten Arbeitskräften. Nach einer Befragung des Bundesverbandes der deutschen Industrie hatten im Jahr 2006 37,5 Prozent der Mittelständler und 34 Prozent der Großunternehmen Probleme, Fachkräfte zu finden.

Der Minister wies auch darauf hin, dass der Markt für Ältere der einzige wachsende Konsumentenmarkt ist. „In Zukunft werden daher zwangsläufig jene Branchen neue Wachstumschancen bekommen, deren Güter und Dienstleistungen verstärkt von älteren Menschen nachgefragt werden“, so Ernst Pfister. „Hier bieten sich für Unternehmen enorme Chancen für innovative und qualitativ hochwertige Lösungen“. Dies gelte für alle gesundheitsbezogenen Geschäftsfelder – insbesondere für die Bereiche Pharmazie, Biotechnologie, Medizintechnik sowie das breite Spektrum von Gesundheitsdienstleistungen. Aber auch die Anbieter haushalts- und personenbezogener Dienstleistungen sowie die Freizeit- und Erlebniswirtschaft könnten profitieren.

„Ältere sind vielfach in einer guten wirtschaftlichen Lage und verfügen daher über eine hohe Kaufkraft“, betonte Ernst Pfister. Nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung betrage die Pro-Kopf-Kaufkraft der 50- bis 59-Jährigen in Deutschland derzeit rund 24.000 Euro pro Jahr. Sie überträfen damit die Kaufkraft der 15- bis 49-Jährigen von gut 19.000 Euro jährlich deutlich. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeige, dass auf die über 50-Jährigen im Jahr 2035 etwa 58 Prozent der Gesamtkonsumausgaben entfielen. „Damit stellen die Senioren in der Tat eine Wirtschaftsmacht dar, mit der die Unternehmen verstärkt rechnen müssen“, so Ernst Pfister. Die Wirtschaft stelle sich aber nur zögerlich auf die Zielgruppe der Älteren ein.

Nur wenige Unternehmen würden Produkte und Dienstleistungen anbieten, die speziell auf Ältere zugeschnitten sind. Dazu gehörten leicht handhabbare Gebrauchsgegenstände sowie verständliche und von der Schriftgröße her lesbare Bedienungsanleitungen, aber auch umfangreiche Service- und Beratungsleistungen. Auch die Werbung konzentriere sich häufig auf jüngere Zielgruppen.

Als viel versprechenden Ansatz sieht Wirtschaftsminister Pfister hier die Entwicklung von „Trans-Generationen-Produkten“ – also Produkten, die den besonderen Bedürfnissen der älteren Generation entsprechen, aber durch ihr Design generationenübergreifend angenommen werden. Diese Produkte zeichnen sich durch die Verwendung modernster Technik, eine dem Nutzer angepasste Funktionalität, einen hohen Bedienkomfort, eine sichere und einfache Handhabbarkeit und eine ansprechende Ästhetik aus.

„Das Wirtschaftsministerium wird die baden-württembergischen Unternehmen auch weiterhin nach Kräften bei der Bewältigung des demografischen Wandels unterstützen“, versprach der Minister. Er wies auf die Initiative zur Sicherung des Fachkräfteangebots hin, die unter anderem auch darauf zielt, die Erwerbsbeteiligung von Älteren zu erhöhen. Zudem werden mittelständische Betriebe dabei unterstützt, ihre Personal- sowie ihre Produktpolitik auf die demografische Entwicklung einzustellen.