?Energieverbrauch im Lebensmittel-Einzelhandel könnte halbiert werden?

Steigende Energiepreise für Öl, Gas und Strom belasten auch im Lebensmittel-Einzelhandel zunehmend das Budget der Marktbetreiber. Dass es hier große Einsparpotenziale gibt und welche Technologien in Zukunft zur Anwendung kommen, darüber diskutierte die Branche am heutigen Dienstag, 19.2.08, von 13.30 bis 17.30 Uhr im Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg, Stuttgart. Der gemeinsamen Einladung zu der Tagung ?Energie im Sonderangebot? von Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und Einzelhandelsverband Baden-Württemberg e.V. folgten rund 130 Marktbetreiber, Ladenplaner sowie Ingenieure und Handwerker.

Bei seiner Eröffnungsrede stellte Wirtschaftsminister Ernst Pfister fest, dass die technischen und wirtschaftlichen Vorzüge der entsprechenden Technologien und Innovationen immer noch oft unterschätzt würden oder zu wenig bekannt seien. Pfister: „Allein zwölf Prozent des Verbrauchs an elektrischer Energie werden in Deutschland für die Kälteerzeugung und Klimatisierung aufgewendet. Die Lebensmittelmärkte haben daran einen beträchtlichen Anteil. Hinzu kommen Kosten für Beleuchtung sowie Heizungs- und Lüftungsanlagen. Das summiert sich zu einer enormen Kostenbelastung für die Betreiber der Märkte. Energiefachleute gehen davon aus, dass der Energieverbrauch in den rund 57.000 Läden des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland halbiert werden könnte – und das bei kurzen Amortisationszeiten. Allein durch die Nutzung der Abwärme aus der Lebensmittelkühlung für Heizzwecke könnten Brennstoffkosten in Höhe von 3 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden.“

Einen Schwerpunkt der Tagung bildete das nachhaltige Energiekonzept des
Edeka Aktiv-Marktes Koch in Schömberg bei Balingen, das auf einem geothermischen Kälte-Wärmeverbund basiert. Dieser Lebensmittelmarkt gilt als beispielhaft für eine neue Generation von Kälte-Wärme-Verbundsystemen, die das Erdreich zur Zwischenspeicherung von Energie sowie zur Effizienzverbesserung nutzen. Die Geschäftsführer Gerd und Klaus Koch berichteten, dass sich durch den Doppelpack Heizen plus Kühlen rund 30 Prozent Energiekosten einsparen ließen. Dieses Engagement ist für sie auch Teil ihrer ökologischen Verantwortung und brachte ihnen letztes Jahr den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg ein.

Nach dem Einstieg ins Thema gab Professor Michael Kauffeld von der Universität Karlsruhe einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten zur Energiekostensenkung in Lebensmittelmärkten. Weitere Vorträge widmeten sich dem Technischen Wärme-Kälte-Konzept. Hier berichteten die in Schömberg beteiligten Praktiker und standen in einer Diskussion den Teilnehmern Rede und Antwort. Die Veranstaltung ist Teil von LIVE – der Landesinitiative zur Verbesserung der Energieeffizienz in Unternehmen, deren Schirmherr Wirtschaftsminister Ernst Pfister ist.