Dr. Noll: Situation von bedürftigen Migranten verbessern

(Stuttgart) ?Den Bedürfnissen alter Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker Rechung getragen werden.? Dies forderte der Vorsitzende der FDP/DVP-Landtagsfraktion, Dr. Ulrich Noll, als Reaktion auf die Antwort der Landesregierung auf eine liberale Parlamentsinitiative. Das Sozialministerium hat der FDP/DVP-Landtagsfraktion bestätigt, dass in Baden-Württemberg eine bedarfsgerechte und flächendeckende Versorgung bei Senioren mit Migrationshintergrund ?sehr häufig? nicht gegeben sei. Ulrich Noll: ?Wir haben in Baden-Württemberg ein dicht geknüpftes Netz im Pflege- und Gesundheitswesen. Darüber sollte dieser Personenkreis jetzt gezielt informiert werden.?

Da die Strukturen insgesamt noch zu wenig auf die spezifischen Wünsche älterer ausländischer oder inzwischen eingebürgerter Einwohner ausgerichtet sind, appellierte Noll an die Stadt- und Landkreise, den Bedarf pflegebedürftiger älterer Migranten künftig stärker zu berücksichtigen. Er stimme mit der Landesregierung überein, dass es vorrangige Aufgabe der Träger der Einrichtungen und Dienste sei, ihre Angebote und die darüber verfügbaren Informationen auch auf den Bedarf älterer Migranten hin auszurichten und auf diese Weise den Zugang dieser Zielgruppe zu den Angeboten deutlich zu erleichtern. Ausdrücklich begrüßte Noll, dass die Arbeiterwohlfahrt (AWO) beispielsweise in Göppingen ein Modell im Bereich der ambulanten Pflege und in Stuttgart ein Modell im Bereich der interkulturellen Öffnung der Altenhilfe entwickelt hat. Ulrich Noll: „Diese Vorzeigeprojekte sollten Schule machen.“

Nach Angaben des Sozialministeriums besteht insbesondere für die erste eingewanderte Generation der Migrantinnen und Migranten Beratungsbedarf. Die so genannte Gastarbeitergeneration aus den Anwerbeländern ehemaliges Jugoslawien, Türkei, Italien, Griechenland und Spanien stehen vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben. Aufgrund der oft schweren körperlichen Arbeitsbedingungen seien viele Migranten dieser Generation aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig erwerbs- oder berufsunfähig geworden – einige bereits pflegebedürftig.

Aktuelle Zahlen über ausländische Senioren und vor allem auch eingebürgerte Migranten, auf deren Migrationshintergrund in Statistiken in der Regel nichts mehr verweist, existieren nicht. Eine Studie aus dem Jahre 1998 schätzt die Zahl der in Baden-Württemberg lebenden älteren Migranten ab dem 65. Lebensjahr im Jahre 1995 auf ca. 47.000 und prognostiziert einen Anstieg auf 300.000 bis zum Jahre 2020.