Döring: Späth geht nicht ins Bundeskabinett

Über Personalien redet FDP-Landeschef Döring nicht. Nur bei der einen sieht er klar: „Ich glaube in tausend kalten Wintern nicht, dass Lothar Späth Minister wird.“

REINER RUF

ULM Es hat nicht nur mit dem Fehlen eigener Ambitionen zu tun, dass FDP-Landeschef Walter Döring beim Besuch in der Ulmer Zentralredaktion dieser Zeitung ganz locker über die Bundestagswahl plaudert. Seit 22 Jahren, berichtet der Stuttgarter Wirtschaftsminister, bestreite er Wahlkämpfe. Und stets sei er mit der Frage konfrontiert worden: „Schafft Ihr die Fünf-Prozent-Hürde?“

Dieses Mal aber geht es um die Zweistelligkeit, auch wenn die frechforsch verkündeten 18 Prozent außerhalb der liberalen Reichweite erscheinen. Er sei ja ein großer Skeptiker des Projekts 18 gewesen, sagt Döring, dem immer noch das Wort vom FDP-Spitzenkandidaten herausrutscht, wo der doch ein Kanzlerkandidat ist. Er gehe in keinen Container und male sich auch keine 18 auf die Schuhsohlen. Aber er könne sich nicht erinnern, dass die Partei schon einmal so motiviert in einen Wahlkampf gezogen sei. Daran habe Jürgen Möllemann seinen Anteil, und dass Guido Westerwelle anders auftrete als ein 60-Jähriger, das sei schon in Ordnung.

Kein Wunder, dass in FDP-Kreisen wieder freudig von Ministerwürden geträumt wird. „Die Anrufe häufen sich, wer wen unterstützt“, bekennt Döring, der bei der Frage, ob Westerwelle jetzt doch das Auswärtige Amt anstrebe, etwas erschrocken blinzelt. Das Wirtschaftsministerium, der Lebenstraum des rheinland-pfälzischen FDP-Chefs Rainer Brüderle, werde man „nicht um jeden Preis“ einfordern. „Das hängt vom Zuschnitt des Ressorts ab.“

Dies will Döring aber nicht als Kniefall vor Lothar Späth verstanden wissen, Edmund Stoibers Superwirtschaftsschattenminister. Der bisweilen zur Heilsgestalt verklärte Späth, da schließt Döring jede Wette ab, gehe nicht ins Bundeskabinett. „Der erklärt lieber den anderen, was sie alles falsch machen.“ Eine Ampelkoalition lehnt der FDP-Politiker kategorisch ab.

Doch genug damit, Döring vermisst die „inhaltliche Auseinandersetzung“ im Wahlkampf. Die Vorstellungen der Hartz-Kommission zum Arbeitsmarkt lehnt er als zu bürokratisch ab. Er plädiert für eine strikte Befristung des Arbeitslosengeldes auf 12 Monate, für eine Begrenzung des Kündigungsschutzes auf Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten, für eine Abschaffung des Gesetzes gegen die Scheinselbstständigkeit sowie für Wahlmöglichkeiten bei der Arbeitslosenversicherung. Etwa dergestalt, dass bei Vereinbarung eines geringeren Beitrags das Arbeitslosengeld nur für ein halbes Jahr gezahlt wird. Der „zentrale Punkt“ der FDP-Kampagne aber seien weitere Steuererleichterungen, ohne die die FDP keinen Koalitionsvertrag unterzeichnen werde.