Döring: „Reinhold Maier war der Verfechter einer FDP für das ganze Volk!“

(Schorndorf) Der stellvertretende Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende der FDP, Wirtschaftsminister Walter Döring hat heute anlässlich des 30. Todestages des ersten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Reinhold Maier, dessen Wirken für das Land und für die Liberalen gewürdigt. Bei der Kranzniederlegung, an der neben dem FDP/DVP-Fraktionsvorsitzenden Ernst Pfister zahlreiche Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben, sagte Walter Döring: ?Die Erinnerung an Reinhold Maier wachzuhalten, ist für die Freie Demokratische Partei Anliegen und politische Verpflichtung zugleich. Reinhold Maier hat entscheidenden Anteil an dem Wiederaufbau und an der Ausgestaltung der Demokratie in unserem Lande. Wichtig für alle Liberalen ist aber nicht nur die politische Leistung Reinhold Maiers, sondern auch seine, den liberalen Stil prägende Haltung bei der politischen Arbeit und in der Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern. Reinhold Maier verkörpert praktisch gelebten Liberalismus. Seine Arbeit und sein politischer Charakter sind für uns Liberale Vorbild und Ansporn zugleich.?

Was die heutigen Liberalen mit Reinhold Maier verbinde, sei Reinhold Maiers Verständnis von Liberalismus als einer fundamentalen Lebens- und Wertehaltung, die über den Tag und politische Einzelprogramme hinausreiche, weil sie sich auf ein umfassendes Verständnis von politischer Freiheit berufen könne, so Döring. Zu Reinhold Maiers Formulierung – “Wir wollen die Freiheit ganz. Wir wollen sie überall. Wir wollen die wirtschaftliche Freiheit, die kulturelle Freiheit, die Freiheit im Innern, wir wollen die Freiheit nach außen. Es gibt nicht einzelne Freiheiten, keine unter- oder abgeteilten Freiheiten, sondern nur eine ganze Freiheit.” – stünden die Liberalen im Bund und im Land als Vertreter der einzigen liberalen Freiheitspartei noch heute.„Und was uns ebenfalls stark verbindet ist seine Nähe zum Volk. Reinhold Maier war zeitlebens ein Volksmann. Diese Volksverbundenheit als Graswurzeldemokrat kommt in der sprichwörtlichen Remstalpolitik – der Demokratie von unten – zum Ausdruck. Damit war er also schon früh der Anwalt der Bürger- und Freiheitspartei FDP, die den Anspruch erhob und heute wieder erhebt, eine Partei für das ganze Volk zu sein“, erklärte Döring.“Remstalpolitik ist nichts anderes als die in mancherlei Hinsicht eigenständige und bodenständige Politik der Freien Demokratischen Partei/DVP Baden-Württemberg überhaupt. Das ist auch heute das Fundament für eine starke FDP im Land. Und es ist das Fundament für das Projekt der Bürger- und Freiheitspartei FDP auf Bundesebene“, so Döring. In Bezug auf das anstehende 50-jährige Landesjubiläum sagte Döring: „Ein Jubiläum, das wir ohne Reinhold Maier nicht feiern könnten. Er ist und bleibt der Vater des Südweststaats. Wer ernsthaft, ohne ideologische Scheuklappen und ohne parteipolitische Brille in die Geschichte der Gründung unseres schönen Bundeslandes eintaucht, der kommt sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es ohne Reinhold Maier und ohne die standhaften Liberalen keinen neuen Südweststaat gegeben hätte. Reinhold Maier hat mit seiner Zähigkeit, seiner Überzeugungskraft und seinem Gestaltungswillen entscheidend auf Landes- wie auf Bundesebene für dieses neue Bundesland gekämpft.“Reinhold Maier – Biographische Daten (1889 – 1971)geboren 16. 10. 1889 in Schorndorf/Rems-Murr-Kreis, als Sohn eines Stadtbaumeisters.Volksschule und Lateinschule Schorndorf, Dillmann-Realgymnasium Stuttgart, Studium Rechtswissen-schaft Grenoble und Tübingen, beide jurist. Staatsprüfungen, Promotion Dr. jur. Heidelberg, 1914 – 1918 Frontdienst.1920 – 1930 Rechtsanwalt am Landgericht und Oberlandesgericht Stuttgart, 1929 Heirat mit Gerta Goldschmidt, 1930 – 1933 Württ. Wirtschaftsminister, Landtagsabgeordneter, Reichsratsbevollmäch-tigter und Reichstagsabgeordneter, 1933 bis 1945 Rechtsanwalt. 1936 verlässt seine Frau wegen ihrer jüdischen Herkunft mit Tochter und Sohn Deutschland wegen der drohenden Maßnahmen des Nationalsozialismus gegen die Juden; sie kehrt 1946 nach Deutschland zurück. Reinhold Maier bleibt in Deutschland und wird gegen Kriegsende als Munitionsarbeiter einem Rüstungswerk überwiesen.1945 Mitbegründer der Demokratischen Volkspartei in Stuttgart zusammen mit Wolfgang Haußmann, Theodor Heuss, Hermann Kessler, Johannes Hieber, Ernst Mayer u. a.1945 – 1953 Ministerpräsident in Württemberg-Baden bzw. nach Gründung des Südweststaates am 25. April 1952 von Baden-Württemberg, mehrmals gleichzeitig Finanz- bzw. Justizminister, 1949 – 1953 Mitglied des Bundesrats. 1952 – 1953 Präsident des Bundesrats. 1953 – 1956, 1957 – 1959 Mitglied des Deutschen Bundestags. 1957 bis 1960 Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei, seit 1960 Ehrenvorsitzender der Freien Demokratischen Partei mit Sitz und Stimme im Bundes-vorstand auf Lebenszeit, von 1946 bis 1964 Mitglied der Landtage bzw. der Verfassunggebenden Landesversammlungen in Stuttgart. 1956 – 1960 Vorsitzender des Landtagsausschusses für Wirt-schaft, Wasser und Verkehr, 1960 – 1964 Vorsitzender des Landtagsausschusses für Verwaltung und Wohnungsbau.Gestorben 19. 8. 1971 in Stuttgart, beigesetzt in seiner Heimatstadt Schorndorf.