Döring: „Berufliche Bildung nicht vernachlässigen !“

(Schorndorf) Auf einer Bezirkskonferenz der baden-württembergischen FDP in Schorndorf hat der FDP-Landesvorsitzende und baden-württembergische Wirtschaftsminister, Walter Döring, gefordert, die berufliche Bildung nicht zu vernachlässigen. ?Die Reformdiskussion um die zukünftige Entwicklung unseres Bildungswesens ist richtig und wichtig. Die PISA-Studie hat die Defizite im deutschen Bildungssystem schonungslos offengelegt. PISA hat gezeigt, dass die Unternehmen viele Jugendliche als Auszubildende einstellen, die das notwendige Rüstzeug für eine Ausbildung nicht mitbringen. Das wird sich auch in den nächsten 6-8 Jahren nicht ändern, da die nun im Zusammenhang mit der PISA-Studie diskutierten dringend notwendigen Reformen sich erst dann bei den Schulabgängerinnen und ?abgängern auswirken werden?, so Döring.

Deshalb sei gerade jetzt dringender Handlungsbedarf in der beruflichen Bildung gegeben. „Wir können und wollen nicht zusehen, wie bis dahin Jugendliche aus der Schule direkt in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, weil sie keine Chance auf eine qualifizierende Ausbildung haben. Wir dulden auch nicht, dass in dieser Zeit, die deutsche Wirtschaft unter einem noch gravierenderen Fachkräftemangel leiden muss“, sagte der Wirtschaftsminister.

Etwa ein fünftel aller Jugendlichen eines Altersjahrganges in Deutschland habe Probleme beim Übergang in Ausbildung und Beruf. Diesen Jugendlichen blieben dann nur un- oder angelernte Tätigkeiten, häufig seien sie arbeitslos und zum Teil drohe ihnen der soziale Abstieg, so Döring. „Um aber auch diesen Jugendlichen eine Ausbildungschance bieten zu können, müssen Ausbildungsberufe geschaffen werden, die überwiegend praktisch begabten Jugendlichen zu Gute kommen. Vorstellbar ist z.B. die gestufte Ausbildung benachteiligter Jugendlicher bei der die sozialpädagogisch betreute Ausbildung zum Teilezurichter oder zur Verkäuferin gegebenenfalls zum Industriemechaniker bzw. zur Kauffrau im Einzelhandel fortgesetzt werden kann. Dieses Göppinger Modell läuft seit einigen Jahren sehr erfolgreich – es gibt kaum Abbrecher und 80-90 Prozent bestehen die Abschlussprüfung. Das selbe Prinzip, nämlich eine zunächst zweijährige Ausbildung mit der Option ein weiteres Jahr Ausbildung in einem dreijährigen Beruf anzuschließen, liegt dem Ludwigsburger Modell zugrunde“, erklärte Walter Döring.

Zu den Maßnahmen für lernschwächere Jugendliche zähle auch das Modell der Teilqualifikationen. „Ziel ist es, die Jugendlichen betriebsnäher als in den bisherigen Maßnahmen auf ihren Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten. In sechs Monaten lernen sie inhaltlich fest definierte Teilbereiche von Ausbildungsberufen. Davon profitieren auch die Unternehmen, die so die Fähigkeiten der Jugendlichen besser erkennen und einsetzen können. Am Ende der Teilqualifikation steht eine IHK-Bescheinigung, in der die vermittelten Inhalte bestätigt werden und mit der eine nachfolgende Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden kann“, sagte der FDP-Landesvorsitzende.

„Es ist dringend an der Zeit, den Augenmerk bei der aktuellen Diskussion um PISA auch auf die berufliche Bildung zu legen. Hier werden die Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte und erfolgreiche Volkswirtschaft gelegt“, so Döring abschließend.