Döring: „Auf Vernunft setzen!“

Wird auf deutschen Autobahnen bald ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern eingeführt?

Man sollte aus Umweltschutzgründen, Lärmschutz und bedeutenden Sicherheitsgründen wahrscheinlich mehr Strecken mit einem Geschwindigkeitslimit versehen. Aber eine generelle Tempo-Beschränkung von 130 Stundenkilometern halte ich nicht für angebracht. Wir müssen nicht alles regeln. Wir müssen auf die Vernunft der Autofahrer setzen.

130 Stundenkilometer wären doch eine angemessene Reisegeschwindigkeit, oder nicht?

Wenn man das kontinuierlich fahren könnte, kommt man auch voran. Aber es gibt viele Berufsfahrer, die am späten Abend fahren oder am sehr frühen Morgen unterwegs sind. Da kann man ohne Gefährdung etwas schneller fahren, immer mit dem entsprechenden Verantwortungsbewusstsein.

Welche Rolle spielt bei jungen Menschen die Sucht nach hohen Geschwindigkeiten bei Fahrten auf der Autobahn?

Bei der Unfallstatistik sehen wir, dass gerade junge Männer betroffen sind. Aber wenn ich mir die Disko-Unfälle Samstagnacht anschaue, dann ist viel häufiger Alkohol im Spiel als eine zu hohe Geschwindigkeit. Die alkoholisierten Jugendlichen stellen mit oder ohne Geschwindigkeitslimit eine Gefährdung dar. Deshalb ist die Idee des begleitenden Fahrens im ersten Jahr nach der Fahrprüfung doch gar nicht verkehrt.

Nimmt die deutsche Politik im Gegensatz zum Ausland mehr Rücksicht auf die Autolobby als auf Unfallopfer?

Wir haben in Deutschland erfreulicher Weise sehr deutlich zurückgehende Opferzahlen. Es ist nicht zwingend notwendig, dass wir uns den Regeln unserer Nachbarn im Ausland anschließen. Aber interessant ist, dass sich auch das schnellste Auto, das in Deutschland gebaut wird, in den USA mit ihren strengen Temporegelungen besonders gut verkauft.

Inwieweit können mehr Polizei und höhere Strafen etwas gegen Raser bewirken?

Das Karlsruher Autobahn-Urteil hat gewirkt. Ich denke, es ist lehrreich. Ich glaube auch, dass das Urteil eine abschreckende Wirkung haben wird. Das war bei dem Urteilsspruch sicherlich unter anderem beabsichtigt. Es gibt da auch nichts zu entschuldigen, wenn ein Fahrer einen anderen von der Straße drängt.