Bücher müssen zum Alltag von Kindern gehören

Berlin/ Stuttgart Patrick MEINHARDT, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion fordert anlässlich des Weltalphabetisierungstags und des Schulbeginns in Baden-Württemberg am 8. und 9. September 2008 mehr Entschiedenheit beim Kampf gegen das Analphabetentum in Deutschlands:

?Lesen und Schreiben gehören zu den Kulturtechniken, die in der Wissensgesellschaft Mindestanforderungen für ein selbstbestimmtes Leben darstellen. Es ist gesellschaftspolitisch nicht hinnehmbar, dass Analphabeten die Tür zu vielen Bereichen verschlossen bleibt.

Der Analphabetismus ist kein zu vernachlässigendes Randphänomen, sondern tritt angesichts der steigenden Anforderungen der heutigen Arbeitswelt mit zunehmender Brutalität für die Betroffenen in Erscheinung.

In Deutschland leben vier Millionen erwachsene Analphabeten und jeder fünfte 15-Jährige ist akut gefährdet, ein Leben lang keine ausreichenden Kompetenzen in den Bereichen des Lesens und Schreibens zu entwickeln.

Leider führt gerade die kulturelle Verarmung innerhalb mancher Familie, die Abwesenheit von Büchern in den Wohnzimmerregalen sowie die schwindende Bereitschaft der Eltern, ihren kleinen Kindern vorzulesen, dazu, dass sich eine Leidenschaft für das Lesen gar nicht erst entwickeln kann.
Klar ist deswegen: Die Eltern sind in ihrer Erziehungspflicht gefordert.

Aber es sind auch beherzte Maßnahmen der Politik dringend nötig:
Gerade im Bereich der frühkindlichen Bildung muss angesetzt werden. Wir brauchen Sprachstandsdiagnosen im Kindergarten und ganz persönliche Fördermaßnahmen. Die FDP Baden-Württemberg hat die Sprachstandsdiagnosen in der Zwischenzeit in der Landesregierung umgesetzt. Diese finden ab dem kommenden Schuljahr statt.

Außerdem können an Kindergärten Eltern und Großeltern als Vorlesepaten gewonnen, ein Buchverleih organisiert und über Elternansprachen ein abendliches Vorlesen im Familienkreis initiiert werden. Bücher müssen zum Alltag von Kindern gehören – noch bevor sie eingeschult werden.

In der Grundschule muss dieses Interesse wach gehalten und vorhandene Defizite ausgeglichen werden. Es gilt, einen Lektüremix zu wählen, der Jungen und Mädchen gleichermaßen anspricht und Bezug zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen besitzt. Aber auch der Einsatz von zusätzlichen Pädagogen und Lernassistenten, der Ausbau der Schulbibliotheken sowie Ganztagsangebote, wenn sie vor Ort gewünscht werden, sind richtige und wichtige Schritte. Jeder Cent, den wir hier investieren, rechnet sich hundertfach!

Für erwachsene Analphabeten müssen nachträgliche Qualifizierungsmaßnahmen bereitgestellt werden. Jeder muss eine 2. Oder 3. Chance erhalten.Doch wir dürfen uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um Reparaturmaßnahmen an den Stellen handelt, an denen das Bildungssystem vorher versagt hat. Um hier Kosten, Zeit und Frustration zu sparen, müssen wir in Kindergärten und Grundschulen investieren!?