Boxenstopp mit dem blau-gelben „Biggi-Mobil“

Rot, Gelb und Blau dominieren beim Redaktionsbesuch von Birgit Homburger. Mit einem konstanten Lächeln auf den signalroten Lippen bezieht die baden-württembergische FDP-Spitzenkandidatin Stellung zu den Zielen der gelb-blauen Partei. Die Expertin für Umwelt, Wirtschaft, Technologie und Verteidigung spricht mit ruhiger Stimme.

Nur beim Thema Steuerreform wird sie kurz laut, schlägt heftig mit der flachen Hand auf den Tisch: „Wir können es uns in Deutschland nicht mehr leisten, in alten Strukturen verhaftet zu bleiben.“ Die FDP habe ein Reformprogramm erarbeitet, das dem Bürger mehr Verantwortung, aber auch mehr Freiheiten einräume. „Wir trauen den Menschen mehr zu – im Gegensatz zu allen anderen Parteien.“ Steuersystem und Gesundheitspolitik stehen im Zentrum der Diskussion.

Die Liberalen versprechen den Wählern 26 Milliarden Euro zusätzliche steuerliche Entlastung über das Jahr 2005 hinaus. Finanziert werden solle dies durch den Abbau von Subventionen, beispielsweise der Kohlesubventionen, durch Streichung einzelner Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt und durch Privatisierungen. Nur ungern lässt sich die 36-jährige Politikerin dabei in ihrem Redefluss unterbrechen. Wer die Gewinner und Verlierer der geplanten Steuerreform sind? Birgit Homburger zögert nicht lange: „Das kann jeder einzelne Bürger bei uns auf dem Steuerrechner ausrechnen.

„Wir wollen mehr Transparenz, auch im Gesundheitssystem.“ Die FDP plane eine Patientenrechnung nach Vorbild der privaten Krankenkassen, durch die ein größeres Kostenbewusstsein bei Ärzten und Patienten entstehen soll. Die medizinische Versorgung werde sich aus Grund- und Wahlleistungen zusammensetzen. Letztere müssten gesondert gezahlt werden.Den Vorwurf der Zwei-Klassen-Medizin wehrt Homburger ab: „Wir wollen weiter eine Solidargemeinschaft der Versicherten.

Aber wir wollen nicht, dass diese Gemeinschaft für Dinge aufkommt, die der Einzelne selbst bezahlen könnte.“ Kosten könnten zum Beispiel dadurch eingespart werden, dass bei einem Arztwechsel die Röntgenbilder mitgenommen würden. Auch beim Thema „deutscher Weg“ und deutsche Beteiligung an einem Kriegseinsatz gegen den Irak versucht Birgit Homburger Stellung zu beziehen.

„Zuerst muss festgestellt werden, ob der Irak Waffen produziert. Dann erst kann über eine Beteiligung der UNO diskutiert werden.“ Ein letztes Lächeln, ein Eintrag ins Gästebuch, und die agile Politikerin düst in ihrem gelb-blauen Biggi-Mobil zum nächsten Termin an den Bodensee.